Market Snapshot: Overnight Impressionen

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Thu Jun 14, 2012 12:58 pm

Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 14. Juni 2012 !

■ Verunsicherung: Zunehmende Nervosität vor den Wahlen in Griechenland am Sonntag
■ Veränderung: Bis Ende des Monats wird Europa ein anderes Gesicht haben
■ Verarmung: Kurzfristige Marktprognosen beschränken sich auf "sehr unsicher"

Wer gestern nach dem Schlusspfiff noch einige Minuten "dran geblieben" ist, bekam als Belohnung der Weisheit letzten Schluss geliefert: "Es gibt viele Gründe für die Niederlande…", verhaspelte sich ein ZDF Moderatorenkollege. Heute wird sich jener Interviewer vor neuen Jobangeboten aus dem Analystenbereich nicht retten können. Denn: "Es gibt viele Gründe für die Kursgirlande" ist derzeit das Motto an den Finanzmärkten. Und um die alle aufzuzählen und zu erläutern – da könnte man die Unterstützung durch einen schlagfertigen neuen Kollegen gut gebrauchen.

Zwar kam der Bund Future gestern mit einer vergleichsweise mickrigen Handelsspanne von 90 Stellen aus, und heute früh herrscht an den Märkten fast schon gespenstische Ruhe – aber es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass dieser Zustand bis zum Wochenende anhalten wird. Fangen wir in Griechenland an: Am Sonntag finden die Wahlen statt. Kommt eine Regierung zustande? Mit welchen Parteien? Welchen Einfluss hat ein mögliches Vorrunden-Aus der griechischen Nationalmannschaft am Vorabend auf den Urnengang? Verschiedene Äußerungen aus Athen deuten darauf hin, dass die Sparauflagen für Griechenland bei jedwedem Wahlausgang neu verhandelt werden sollen. Die Kreditgeber stehen in der Zwickmühle: Machen sie Zugeständnisse, verlieren sie an Glaubwürdigkeit und laden andere Rettungspaketempfängerstaaten zu ebensolchen Neuverhandlungen ein. Bleiben Brüssel, Berlin & Co. hart, riskieren sie den Staatsbankrott eines EWU Mitgliedslandes, über dessen mögliche Konsequenzen die Meinungen nach wie vor extrem weit auseinander liegen. Wir sind der Ansicht, dass bereits die geringsten Anzeichen von Reformbereitschaft Athens ausreichen werden, um den Geldfluss der Kreditgeber am Leben zu erhalten. Die zunehmende Anspannung vor dem Wahltermin dürfte heute und morgen an den Finanzmärkten tendenziell eine "Risk-Off"-Stimmung unterstützen.

Von den Ereignissen in Griechenland stark betroffen ist das kleine Nachbarland Zypern. Noch ist offen, auf welche Weise das Land seinen kurzfristigen Kapitalbedarf decken wird. Weiterhin ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Zypern noch vor Sonntag das fünfte Land sein wird, welches unter den Rettungsschirm Europas schlüpfen wird. Kurz nach Abpfiff reduzierte Moody's ihre Einschätzung zur Kreditwürdigkeit Zyperns um zwei Stufen. Damit war Zypern noch gut bedient – Spanien erwischte es (ebenfalls von Moody's) gleich um drei Stufen.

Heute ist der 14. Juni. Im Tagesgeschäft schaut man auf die Auktion italienischer Staatsanleihen und auf die Einlassungen der Schweizer Notenbank. Aber in den nächsten Tagen wird noch so einiges passieren: Bis Ende des Monats müssen die Banken in Europa die Kapitalanforderungen aus dem letzten Stresstest erfüllen. Die Staats- und Regierungschefs der EU werden auf ihrem Gipfel am 28. Juni voraussichtlich eine Art Fahrplan (neudeutsch "Roadmap") für eine Banken- und möglicherweise Fiskalunion auf den Weg bringen. Der Rettungsschirm ESM muss in den 17 EWU-Mitgliedsländern ratifiziert sein (was in Deutschland, so wie es aussieht, auf den allerletzten Drücker geschehen wird). Am 1. Juli, dem Tag des EM-Finales, wird unser Kontinent ein anderes Gesicht haben. Den Teilnehmern an den Finanzmärkten wird in den kommenden Wochen einiges an Antizipationsvermögen abverlangt werden. Alles erscheint vorstellbar: Eine Zuversichtsrallye, ein Verzweiflungsausverkauf, oder ein tägliches Hin und Her mit großen Kursausschlägen in allen Vermögensklassen. Ich bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass Aussagen wie diese keinem Leser wirklich weiter helfen. Aber ich will mir auch nicht anmaßen zu behaupten, ich wüsste besser als Sie, was in den kommenden Wochen auf uns zukommt. Und um die Verunsicherung nicht unnötig zu steigern, wird es morgen früh ausnahmsweise mal keine O/N Impressionen geben. Wirklich deshalb? Nein, natürlich gilt auch hier: "Es gibt viele Gründe für die Sendepause…"
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Mon Jun 18, 2012 10:55 am

Guten Morgen, heute ist Montag, der 18. Juni 2012 !

■ Weiterkommen: Nach der Wahl ist vor den Herausforderungen
■ Entgegenkommen: EU zeigt Gesprächs- und Kompromissbereitschaft
■ Kein Entkommen: Freude an den Märkten wird nicht lange anhalten

Die Grelection am Greekend endete ohne den befürchteten Grexit. Kofferworte, also das Kombinieren zweier Hauptworte, sind en vogue. Und wenn man das ganze dann noch mit Denglisch kombiniert, ist man voll auf der Höhe der Zeit. Und das wollen wir ja sein. Eine Umfrage hat gezeigt, dass die tagesschau für die meisten Bundesbürger die Informationsquelle #1 ist. Dieses Ergebnis ist für die Overnight Impressionen Enttäuschung und Ansporn zugleich… Also, rein ins europäische Krisenvergnügen: In Griechenland gewinnt die Euro-freundliche Nea Dimokratia die meisten Stimmen, aber die Errye (Erholung & Rallye) an den Märkten scheint bereits vorbei zu sein, bevor sie richtig begonnen hat.

Vor genau einer Woche kamen wir des Montags ins Büro, in der Hand ein Spaket (Spanien & Stützungspaket), aber die erhoffte Marktberuhigung hielt nur bis zirka feun (fünf nach neun) an. Heute früh kommen wir ins Büro, in der Hand das Wahlergebnis aus Athen, aber von Greuphorie keine Spur: Ja, der Euro ist einen Schnaps fester. Und ja, die Aktien werden mit einem Plus eröffnen. Und ja, der Bund Future fällt zur Handelseröffnung um 70 Stellen. Aber ich habe nicht den Eindruck, als würde dem opening gap noch irgend etwas folgen.

Klar, denn die Probleme sind ja noch nicht gelöst (5 Geuro ins Phrasenschwein!). Zunächst mal muss in Griechenland eine funktionsfähige Regierungskoalition zustande kommen. Für diese Fall haben die EWU Finanzminister ihr Entgegenkommen angekündigt. Die Troika wird nach Athen reisen. Und aus Brüsseler Kreisen verlautet, die im Rahmen des zweiten Rettungspaketes mit Griechenland vereinbarten Sparziele könnten zeitlich gestreckt werden, in ihrer Substanz seien diese jedoch nicht verhandelbar.

Gleichzeitig sollen auf dem G20-Treffen heute und Morgen in Mexiko Wege aus der Glise (global & Wachstum & Krise) aufgezeigt werden. Und gleichzeitig muss der EU-Gipfel in der kommenden Woche vorbereitet werden. Die EZB mahnte unlängst eine 10-Jahres-Vision für die EWU an. Die Famous Four (EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker und der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi) arbeiten daran. Laut Informationen des Spiegel ist die kurzfristige Einführung von Euro-Bills Bestandteil einer solchen Langfriststrategie. Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, sehen die Pläne vor, dass sich jeder Staat bis zu einem bestimmten Prozentsatz seiner Wirtschaftsleistung mittels gemeinsamer europäischer Anleihen mit einer kurzen Laufzeit finanzieren dürfe. Wer die Regeln nicht einhalte, würde im folgenden Jahr vom Handel mit den Papieren ausgeschlossen. Problematisch erscheint, wie bei allen vergleichbaren Plänen, die Glaubwürdigkeit der Strafandrohung.

Lange Rede, kurze Quintessenz: Die Marktteilnehmer werden innerhalb weniger Minuten den Status Quo realisieren und wieder ihre skeptische und vorsichtige Haltung einnehmen. Nebenbei werden sie versuchen, aus den Konjunkturdaten dieser Woche (ZEW, PMIs, sogar ein USA-PMI!!, Ifo) Wachstumssignale und aus dem FOMC-Statement der US Notenbank am Mittwoch QE3-Signale abzuleiten. Wahnsinn: Die Wahlen in Griechenland sind vorbei, und irgendwie ist alles genau so wie vorher. Was für eine Grenttäuschung…

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Tue Jun 19, 2012 10:57 am

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 19. Juni 2012 !

■ 100% Psychologie: Wahlergebnis in GR verhindert Zentralbankinterventionen; Märkte enttäuscht
■ 50% Gerüchte: Spaniens Banken benötigen im schlimmsten Fall angeblich bis zu 150 Mrd. Euro
■ 0% Erholung: Märkte haben sich beruhigt, zeigen heute früh aber keine Erholungstendenzen

Portugal, Spanien, Italien, Griechenland – alle weiter. Die Fußball-Europameisterschaft gibt den in der Kritik stehenden Ländern die Gelegenheit, sich sportlich zu profilieren. Lediglich Irland musste bereits nach der Vorrunde die Segel streichen, überzeugte dabei aber mit einer vorbildlichen Fankultur. Der Finanzmarkt ist jedoch nicht der Platz, an welchem sportliche Erfolge gehandelt werden. Hier geht es um wirtschaftliche Perspektiven, um Aussichten für nachhaltiges Wachstum bei stabilen Finanzen. Und diesbezüglich gab es gestern keine Siege, sondern ausschließlich Ernüchterung.

Die Erleichterungsrallye war am gestrigen Montag noch kürzer als vor Wochenfrist im Nachgang zum angekündigten spanischen Banken-Rettungspaket. EUR-USD verlor in der Spitze mehr als zwei Stellen, der Bund Future gewann zum Tageshöhepunkt fast 200 Stellen und spanische 10-Jahres-Renditen legten in der Spitze um 50 Bp auf 7,24% zu. Für die Marktreaktion auf das Wahlergebnis gibt es einen geradezu pervers anmutende Erklärungsversuch: Nachdem die Euro-freundliche Nea Dimokratia die meisten Stimmen bekam, verringerten sich die "Chancen" auf ein konzertiertes Eingreifen der Zentralbanken. Es gab ja genügend Hinweise darauf, dass die Notenbanker die Stimmenauszählung in Athen in Hab-Acht-Stellung mit dem roten Telefonhörer in der Hand verfolgt haben. Der im Prinzip befürchtete Kollaps der Märkte und das damit einhergehende erhoffte Zupacken der Notenbanker blieb aus. Folge: Die in vorauseilendem gehorsam eingepreisten, interventionsbedingten Kursgewinne vom Freitag wurden wieder ausgepreist.

In Griechenland soll bereits bis heute Abend eine Regierung festgezurrt werden. Eine solch schnelle Einigung würde Angela Merkel sicherlich begrüßen. Ansonsten blieb die Kanzlerin jedoch bei ihrer strikten Haltung: "Nein" zu einer Lockerung der Kreditauflagen. "Nein" zu einer Streckung der Haushaltsziele (was jedoch von Vertretern des Koalitionspartners FDP lautstark gefordert wird). "Nein" zu Euro-Bills. Die Gespräche mit der neuen griechischen Regierung werden letztendlich zeigen, welchen Spielraum es für Anpassungen am Reformprogramm für das Land geben wird.

Mit Blick auf Spanien wurde die Kurskorrektur an den Märkten jedoch auch durch eine Reihe ungemütlicher Nachrichten gefördert. Das Volumen fauler Kredite in den Büchern spanischer Banken stieg im April um knapp 5 Mrd. Euro an, berichtete die spanische Notenbank. Ferner gab es (unbestätigte) Berichte, wonach die unabhängigen Buchprüfer Oliver Wyman & Roland Berger in ihrem bis Ende der Woche erwarteten Abschlussbericht einen Kapitalbedarf für die spanischen Banken in Höhe von bis zu 150 Mrd. Euro identifizieren könnten. Andere Marktberichte gehen dagegen "nur" von 60-65 Mrd. Euro aus. Spaniens Haushaltsminister Cristobal Montoro verlangte erneut und relativ unverblümt eine Reaktivierung des Anleihenkaufprogramms SMP durch die Europäische Zentralbank.

Die Partnerländer im G20-Zirkel zeigen sich genervt von der anhaltenden Finanzkrise in der Eurozone. Diese sei hauptverantwortlich für Wachstumseinbußen rund um den Globus. "Europa-Bashing" hat sich auf dem G20-Treffeen in Mexiko zu einem beliebten Verbalsport entwickelt. Ob die G20 selbst jedoch in der Lage sein werden, greifbare Ergebnisse vorzuweisen, wird erst das am heutigen Abend veröffentlichte Abschlusskommunique zeigen.

Für den Moment haben sich die Märkte beruhigt. Mehr oder weniger nebenbei wird man heute einen Blick auf eine Reihe von Konjunkturdaten wagen (ZEW, französisches Unternehmensvertrauen, US Immobilienmarkt). Jegliche Erholungstendenzen an den Märkten dürften jedoch lediglich aufgrund von Vermutungen erfolgen, die US Notenbank würde auf ihrer heute beginnenden zweitägigen Sitzung entgegen der Analystenerwartungen ein weiteres Quant-Easing-, Operation-Twist- oder Sonstwie-Interventions-Programm auflegen. Aber wir Fachleute wissen ja: Die Wahrheit liegt auf dem Platz!

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Wed Jun 20, 2012 11:55 am

Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 20. Juni 2012 !

■ Gerücht I: ESM wird spanische und italienische Anleihen erwerben
■ Gerücht II: Syriza wird bei den Spargesprächen mit der EU mit am Tisch sitzen
■ Gerücht III: Fed wird Operation Twist ausweiten

Zwischen Hoffnung, Erwartung und Enttäuschung… Was sich dramatisch anhört, wie der Untertitel einer Sonntagabend-Schmonzette im ZDF, beschreibt nichts anderes als den alltäglichen Wahnsinn an den Finanzmärkten. Den einen Tag geht's rauf, weil die Anleger erwarten, dass der "große Wurf" in der europäischen Finanzkrise gelingt. Den nächsten Tag geht's runter, weil die Enttäuschung über das fortgesetzte "Management-by-Durchwurschteln" dominiert. Und wieder den anderen Tag geht's rauf, weil sich Hoffnung breit macht, die Zentralbanken werden die Feuerwehr spielen und in wie auch immer gearteter Manier an den Märkten intervenieren.

Am Montag zeigten sich die Märkte enttäuscht über das Wahlergebnis in Griechenland, weil dieses einen Noteingriff der Notenbank unwahrscheinlicher machte. Gestern, so war zu lesen, wurden die Anleger hoffnungsfroher, weil ein durchaus nennenswerter Rückgang im ZEW Konjunkturbarometer die Erwartung beflügelte, die Zentralbanken könnten doch noch etwas mehr Stimulus präsentieren. Wer sich ob dieser Argumentationsketten mit Grausen von den Märkten abwendet, dem kann eigentlich nur gratuliert werden.

Zwischen G20-Gipfel in Mexiko, UNO-Gipfel in Rio und EU-Gipfel in Brüssel arbeitet die Gerüchtemaschinerie natürlich unter Volllast. Neuestes Produkt: Der noch nicht ratifizierte, noch nicht geborene, noch nicht finanzierte Rettungsschirm ESM soll spanische und italienische Staatsanleihen erwerben, um so dem Anstieg der Renditen in diesen Ländern entgegenzuwirken. Angeblich, so berichtet Bloomberg, hätte der neue französische Premier dies gefordert. Und angeblich, so berichtet der Guardian, sei Angela Merkel allmählich gezwungen, einer solchen Maßnahme ihr Plazet zu geben. Wenn der ESM jene Staatsanleihen erwirbt, dann erreichen wir eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden "durch die Hintertür" und eine Subordination der "normalen" Gläubiger, das heißt, diese finden sich als Nachranggläubiger wieder. Es ist mehr als fraglich, ob eine solche Maßnahme a) von den EU-Verträgen gedeckt ist, b) tatsächlich zu niedrigeren Renditen führt und c) von Angela Merkel jemals unterstützt werden wird. Sei's drum, die Journaille stürzt sich auf dieses Gerücht, grad so, als hätten wir damit die eierlegende Wollmilchsaulösung aller Probleme gefunden.

Kehren wir zu den Fakten zurück: Die Regierungsbildung in Griechenland schreitet voran. Heute soll der Weltöffentlichkeit ein Dreierbündnis präsentiert werden. Erste Aufgabe wird es sein, die Sparauflagen mit den europäischen Kreditgebern und dem IWF neu zu verhandeln. Auch die EU-Partner sehen mittlerweile ein, dass es wohl wenig Sinn macht, die im Frühjahr aufgestellten Ziele buchstabengetreu weiter zu verfolgen. Kurios ist in diesem Zusammenhang folgendes Gerücht: Angeblich wird bei diesen Gesprächen nicht nur das neue griechische Dreigestirn am Tisch sitzen, sondern auch die größte Oppositionspartei Syriza. Gemeinsam wollen diese vier Parteien als "Nationales Komitee" zumindest eine Verlängerung der Zielerreichungsfristen erreichen. Gleichfalls unbestätigt sind Gerüchte, wonach die griechische Elf für das Viertelfinale gegen Deutschland Unterstützung aus dem Lager der bereits ausgeschiedenen Russen angefordert hätte…

Ergebnis dieser Gemengelage: Am Montag steigt der Bund Future um bis zu 200 Stellen, gestern geht es um fast das gleiche Ausmaß in die andere Richtung. Entsprechend die Renditeaufschläge in Spanien und Italien: Montag voll raus, gestern voll rein. Analog EUR-USD: Am Montag rund 2 Stellen runter, gestern in der Spitze fast eben so viel rauf. Seit gestern spielen auch die Aktienmärkte wieder mit und beenden den Tag mit einem satten Plus von rund zwei Prozent. Heute wird sich zeigen, ob sich die kühnen Hoffnungen der Anleger erfüllen: Die amerikanische Notenbank Fed verkündet, ob sie sich für die Ausgabe weiterer Stimulanzien entschieden hat. Wir erwarten das nicht zwingend, wären aber auch nicht enttäuscht, wenn doch etwas käme. Es ist also so, als wäre schon heute Sonntagabend…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Thu Jun 21, 2012 12:56 pm

Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 21. Juni 2012 !

■ Twist & Rebuy: Fed verlängert Operation Twist, BoE signalisiert QE-Ausweitung
■ Merkel & Guys: EU Regierungschefs positionieren sich für EU-Gipfel nächste Woche
■ Sell & Buy: Heute Fortsetzung des jüngsten Trends: verkaufe Bunds, kaufe Peripherie

Es gibt eine Reihe von Ländern, über die wir an dieser Stelle fast täglich berichten: Griechenland, Spanien, Deutschland. Und es gibt eine Reihe von Ländern, von denen wir an dieser Stelle so gut wie nie berichten. Simbabwe, San Marino und – überraschenderweise – die Vereinigten Staaten. In der Tat, es ist ruhig geworden um diejenige Nation, welche einstmals die Führerschaft inne hatte, wann immer es um Themen wie "BIP" oder "Finanzmärkte" ging. Was man in den letzten Monaten aus den USA vernommen hat, war alles einfach nicht schlagzeilenträchtig genug. Bankenkrisen? Vergangenheit. Deflationsrisiken? Historie. Präsidentschaftswahlkampf? Ja, gut, wird dann im Herbst wieder spannend. Volkswirtschaftlich betrachtet sehen wir eine Nation, die mit Raten um die zwei Prozent wächst, während die Inflationsrate sich in ähnlichen Gefilden bewegt. Alles reichlich unspektakulär.

Heute aber wollen wir unser Augenmerk mal wieder auf die USA richten: Die amerikanische Notenbank hat getagt und heraus kam: Twist2. In unseren Breiten war ja fast schon in Vergessenheit geraten, dass die Federal Reserve seit neun Monaten ein Programm umsetzt, in welchem sie kurz laufende Staatsanleihen aus ihrem Bestand verkauft und dafür Anleihen mit längeren Laufzeiten kauft. Ziel dieser Aktion ist, die Langfristzinsen weiter zu drücken, um die Refinanzierungskosten in der Wirtschaft zu reduzieren. Dieses Programm läuft planmäßig Ende diesen Monats aus. Jetzt wird es verlängert. Twist2 hat ein Volumen von 267 Mrd. Dollar und ist befristet bis Ende des Jahres. As a matter of fact, Twist1 war insofern erfolgreich, als die Renditen amerikanischer Staatsanleihen unlängst neue historische Tiefstände erreichten. Ob dafür jedoch Twist1 oder aber irgendwelche europäische Themen verantwortlich waren, will ich an dieser Stelle einfach mal offen lassen.

Die Fed ist die zweite bedeutende Notenbank innerhalb weniger Tage, welche dem konjunkturellen Abwärtstrend mit einer monetären Lockerungsmaßnahme begegnet. Vor wenigen Tagen hat die Bank of England gemeinsam mit dem Finanzministerium ein Kreditkostenerleichterungsprogramm angekündigt. Gestern wurde offenbar, dass bereits in zwei Wochen eine Aufstockung des Quantitative Easing Programms angekündigt werden wird. Alle Welt fragt sich jetzt: Was macht die Europäische Zentralbank? Weder Twist-, noch Quant-Easing. Debattiert wird gegenwärtig eine klassische Senkung des Leitzinses von aktuell 1,00% auf möglicherweise 0,50%.

Von großer Bedeutung bei der Entscheidungsfindung innerhalb des EZB-Rates werden dabei ausgerechnet die Einkaufsmanagerindizes sein. Die PMIs. Jawollja, da sind sie wieder. Es geht wieder los: Die vorläufigen Ergebnisse der Juni-Umfragen werden heute für Frankreich, Deutschland, die EWU und (festhalten!) die USA veröffentlicht. Jawollja. Für die USA existieren bereits schätzungsweise zwei Dutzend vergleichbare "vorlaufende Konjunkturindikatoren", allen voran der ISM Index. Aber ab jetzt haben wir auch für die USA einen PMI. Die ersten Universitäten bieten statt "Volkswirtschaftslehre" bereits den praxisnäheren Bachelor-Studiengang "PMI Analysis" an.

Die Twist2-Ankündigung hatte an den Finanzmärkten eine zunächst überschaubare Wirkung, nämlich fast keine. Ab sofort gilt das Augenmerk wieder Europa. Diskussionspunkte hier: Soll der ESM Staatsanleihen kaufen? Hilft ein Schuldentilgungsfonds? Welche Erleichterungen bekommt die neue griechische Regierung? Kommt die Finanztransaktionssteuer? Bekommt Zypern ein Rettungspaket? Ausreichend Gesprächsstoff für das heutige Treffen der EU Finanzminister und das morgige Merkel-Hollande-Monti-Rajoy-Treffen in Rom. Die Stimmung an den Märkten dürfte heute freundlich bleiben, weil Spanien sehr wenig von sehr kurz laufenden Anleihen versteigern wird und diese Auktion aller Voraussicht nach sehr erfolgreich verlaufen wird. So ist es eben zur Zeit: Spaniens Bondauktionen sind schlagzeilenträchtiger und marktbedeutender als amerikanische Twist-Operationen…

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Fri Jun 22, 2012 2:04 pm

Guten Morgen, heute ist Freitag, der 22. Juni 2012 !

■ To Do: Die Agenda für den EU Gipfel nächste Woche wird lang und länger
■ Done: Moody's wertet 15 Großbanken ab, teilweise jedoch nicht so stark, wie befürchtet
■ Doing: EZB schwächt Kollateralregeln ab und will sich von den Ratingagenturen lösen

Wenn der Torwart ausfällt, hat man vielleicht Ersatz in der Hinterhand. Wenn drei Spieler aus der Viererkette verletzt sind, wird die Abwehr wackelig. Wenn die Doppel-Sechs im letzten Spiel eins auf die Zwölf bekommen hat, muss man Ersatz finden. Wenn es die Kreativitätszentrale im Mittelfeld in der Wade zwickt, muss man halt nüchterner spielen. Wenn die Stürmer das Tor nicht treffen, muss man vielleicht mal durchwechseln. Und wenn alles gleichzeitig auftritt, brauchst Du halt mal Glück. – Wenn sich die Konjunktur abschwächt, benötigst du Stimuli. Wenn die Banken unter der Last fauler Kredite zu ersticken drohen, benötigen sie staatliche Unterstützung. Wenn die Staaten sich im Abwärtsstrudel aus Sparmaßnahmen, Rezession und sinkenden Steuereinnahmen befinden, benötigt man neue Konzepte. Und wenn es nicht nur einen Trainer gibt, sondern derer gleich 17, dann befinden wir uns in Europa (Co-Trainer: EU Kommission, Technischer Direktor: EZB, Medizinische Abteilung: IWF).

Wir haben derzeit alles gleichzeitig: Konjunkturprobleme, Bankenprobleme, Staatenprobleme und eine Armee aus Trainern, die sich über die richtigen Konzepte (noch) uneins sind. Der EU-Gipfel in der kommenden Woche wird als entscheidend für die Zukunft Europas gesehen. Heute treffen sich die Regierungschefs Merkel, Monti, Hollande und Rajoy in Rom, um die Strategie für die nächsten Tage abzustimmen. Nachfolgend eine Auswahl der Diskussionspunkte:
Griechenland: Nachverhandlung der Sparauflagen; Neudefinition der Ziele (gilt die Vision eines Schuldenstands von 120%/BIP im Jahr 2020 noch?); ggf. Bereitstellung neuer Mittel
Spanische Bankenrettung: Die unabhängigen Prüfberichte sehen Verluste von bis zu 274 Mrd. Euro und einen Kapitalbedarf von bis zu 62 Mrd. Euro. Spaniens Antrag auf EU-Unterstützung wird bis Montag erwartet. Die Formalitäten sollen bis zum 9. Juli abgeschlossen sein. Kommt die Unterstützung aus dem EFSF oder aus dem ESM? Wird der ESM rechtzeitig in Kraft sein? Werden die Kredite bevorzugten Gläubigerstatus erhalten?
Zypern: Ist ein Stützungspaket erforderlich?
Marktstabilisierung: Unter welchen Umständen soll / darf der EFSF / der ESM Staatsanleihen im Primärmarkt / im Sekundärmarkt erwerben? Soll der ESM eine Banklizenz erhalten? Soll die EZB Anleihen kaufen, wobei der ESM die Zentralbank gegen mögliche Verluste absichert?
Schuldenabbau: Soll es einen Schuldentilgungsfonds geben?
Finanztransaktionssteuer: Finden sich mindestens neun Staaten für einen ersten Schritt? Wofür sollen die Einnahmen dieser Steuer verwendet werden?
Wachstumspakt: Welche Strukturreformen sind in welchem Land erforderlich? Welche transnationalen Projekte sind geplant? Aus welchen Töpfen kommen die benötigten Gelder?
Banken-Union: Wie konkret kann man sich auf Definitionen und einen Zeitplan ("Roadmap") für eine Banken-Union mit Aufsicht, Abwicklungsanstalt und Einlagensicherung einigen?
Fiskal-Union: Wie weit sind die Mitgliedsstaaten bereit, Teile ihrer Souveränität abzugeben, um im Gegenzug eine (teilweise) Vergemeinschaftung der Staatsschulden anzustreben?
Vision: Wohin steuert Europa? Welches ist die Vision? Wird es ein Europa der zwei Geschwindigkeiten geben? Kann man sich auf einen 10-Jahres-Plan einigen?

Es ist einigermaßen anspruchsvoll, hier den Gesamtüberblick zu behalten. Und mitten rein plumpsen diese Nachrichten:
EZB: Die Notenbank plant kurzfristig, ihre Kollateralregeln zu lockern, um insbesondere spanischen Banken unter die Arme zu greifen. Mittelfristig soll ein eigenes Ratingsystem, möglicherweise in Kooperation mit der Fed und der Bank of England, Unabhängigkeit von den drei großen Ratingagenturen herstellen. Das berichten Reuters und Die Welt übereinstimmend.
Moody's: Nach Monate langer Review stuft Moody's 15 internationale Großbanken um bis zu drei Stufen ab. Teilweise waren die Herabstufungen aber geringer als erwartet bzw. befürchtet.
Konjunktur: Die PMIs für China, die USA und Europa geben wenig Anlass, auf eine baldige Konjunkturerholung zu setzen. Heute kommt der Ifo-Index.

Die Schwankungen an den Finanzmärkten werden eher größer als kleiner. Immerhin geht es noch in beide Richtungen: Letzte Woche stiegen die Renditen sowohl auf Bunds als auch auf Peripherie-Anleihen. Gestern fielen sie allesamt. Peripheriebonds profitieren von den Meldungen über gelockerte Kollateralregeln der EZB, Bunds profitierten vom Konjunkturausblick, Rohstoffe leiden darunter. Euro und Aktien haut es gleichfalls hin und her. Prognosen sollte man besser nicht abgeben. Und da alles gleichzeitig auftritt, brauchen wir halt einfach mal auch etwas Glück…

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Mon Jun 25, 2012 9:00 am

Guten Morgen, heute ist Montag, der 25. Juni 2012 !

■ Aufgeschoben: Griechenlands Premier und FinMin erkrankt; Troika verschiebt Athen-Reise
■ Angeschoben: Europas G-4 einigen sich auf Grundzüge eines 130-Mrd.-Euro-Wachstumspakets
■ Abverloben: Deutschland plant "Deutschland-Bonds" mit Deutschen Bundesländern

Aktive wie passive Sportler kennen dieses Gefühl: Du gehst in ein Spiel, hast eine Taktik, bist voll konzentriert und zuversichtlich – und nach 60 Sekunden kassierst Du ein Gegentor. Dein Plan ist über den Haufen geworfen, deine Taktik kannst Du vergessen. In etwa so beginnen die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Griechenland über die Details eines neu formulierten Stützungsansatzes: Der neue griechische Ministerpräsident Antonis Samaras musste sich einer Augenoperation unterziehen und fällt für den EU Gipfel Ende der Woche aus. Sein designierter Finanzminister, Vasilios Rapanos, musste nach einem Schwächeanfall ebenfalls gesundheitsbedingt absagen. In Brüssel auflaufen werden daher Außenminister Dimitrios Avramopoulos und der scheidende, aber noch amtierende Finanzminister Giorgos Zanias.

Und da die beiden wichtigsten Ansprechpartner in Athen sich schonen müssen, verschiebt auch die Troika ihre Inspektionsreise in die griechische Hauptstadt auf unbestimmte Zeit. Eigentlich war geplant, ab heute vor Ort den Stand der Reformbemühungen aufzuarbeiten, doch diese Arbeit bleibt jetzt erst mal liegen. Däumchen drehen wird freilich niemand müssen. Die Agenda für die kommenden Tage ist auch so pickepackevoll. Hier noch mal in Stichworten die Themen der kommenden Tage:
Griechenland: Verhandlungen über ein neues Sparpaket (delayed).
Spanien: Banken-Rettungspaket (boarding); offizieller Antrag wird heute erwartet.
Zypern: Banken-Rettungspaket (boarding); noch laufen Gespräche in Russland & China.
Marktstabilisierung: Was soll der ESM dürfen? (scheduled EU Summit 28-29 Juni)
Schuldentilgungsfonds: (scheduled EU Summit 28-29 Juni)
Finanztransaktionssteuer: last boarding call, wird mit ziemlicher Sicherheit kommen
Wachstumspakt: 130-Mrd-Euro-Paket im Grundsatz beschlossen (all doors in flight, s.u.)
Banken-Union: Van Rompuy wird seinen Plan in dieser Woche präsentieren (please proceed to Gate 1)
Fiskal-Union: (scheduled EU Summit 28-29 Juni)
Vision: (scheduled EU Summit 28-29 Juni)

Beim Treffen der neuen "G-4" Europas am vergangenen Freitag einigten sich die Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien auf ein Wachstumspaket im Volumen von einem Prozent des EWU-BIPs, was in etwa 130 Mrd. Euro entspricht. Es heißt, die Gelder sollen über die EU Strukturfonds, über Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB) und über Projektanleihen der EU aufgebracht werden. Gefördert werden soll Wachstum und Beschäftigung über Maßnahmen zur strukturellen Verbesserung. Einen Konjunkturstimulus a la Abwrackprämie wird es sicher nicht geben.

Spannend ist noch folgende Meldung: Deutschland führt Euro-Bonds ein: Berlin will gemeinsam mit den Bundesländern ab 2013 sogenannte "Deutschland-Bonds" begeben. Dies ist ein Zugeständnis Angela Merkels im Zuge der Gespräche um die Zustimmung der Länder zum Fiskalpakt und zum ESM. Details stehen allerdings noch aus.

An den Märkten herrscht die Mehrheitsmeinung, dass im Vorfeld des EU Gipfels eine positive Stimmung herrschen wird ("Antizipationsrallye"), wohingegen sich im Nachgang zu den Beschlüssen högschdwahrscheinlich wieder Enttäuschung breit machen wird. Da dies jetzt Konsens ist, sollten mutige Marktteilnehmer einfach mal auf das Gegenteil setzen. Heute früh ist von Antizipations-Begeisterung jedenfalls herzlich wenig zu sehen. Wenn die Woche also gleich schon mit einem Analysteneigentor beginnt, muss man seine Taktik wohl kurzfristig ändern…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Tue Jun 26, 2012 11:53 am

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 26. Juni 2012 !

■ Auf dem Rücken: Deutschland-Anleihen sehen keine gesamtschuldnerische Haftung vor
■ Auf Krücken: Spanien und Zypern beantragen offiziell Hilfe für ihre Banken vom EFSF/ESM
■ Auf Hängebrücken: Anleger preisen eine Gipfel-Enttäuschung ein

"Huckepack" ist nach "Mama", "Papa", "Auto" und "Krise" eines der ersten Worte, welches ein Kind lernt. Seit Jahrtausenden streiten sich die Gelehrten und Ungelehrten, was mit "Huckepack" genau gemeint ist: das Tragen einer Person auf den Schultern oder auf dem Rücken? "Huckepack" ist allerdings auch ein Terminus technicus aus der Anleihenindustrie: Der Bund und die Bundesländer wollen ab dem kommenden Jahr gemeinsame Anleihen im "Huckepackverfahren" begeben.

"Huckepack" deshalb, weil der große Bund die kleinen Länder gewissermaßen mitschleppt auf der Reise in die unendlichen Weiten der Kapitalmärkte. Das Bundesfinanzministerium erklärt dazu auf seiner Webseite: "Bund und teilnehmende Länder haften bei den Emissionen jeweils nur für ihre eigenen Anteile, d.h. es gibt keine gesamtschuldnerische Haftung." Dies sei aus verfassungsrechtlichen Gründen ausgeschlossen. Deutschland-Bonds seien vergleichbar mit den Länder-Jumbo-Anleihen. Die Vorteile für die Länder lägen darin, "dass sie von den Konditionen großvolumiger Anleihen profitieren können und ein neues und liquides Marktsegment etabliert wird", so das Finanzministerium. Vorteile für den Bund werden nicht aufgezählt. Es handelt sich ja auch um ein Zugeständnis des Bundes an die Länder für deren Zustimmung zum europäischen Fiskalpakt. "Zugeständnis" heißt, der Bund muss für den Huckepack-Anteil seiner Kreditaufnahme voraussichtlich etwas höhere Zinsen zahlen, als wenn er alleine am Markt auftreten würde; die Länder hingegen werden wohl in den Genuss etwas niedrigerer Zinskosten kommen. Insofern sollte man nicht davon sprechen, dass der Bund die Länder auf den Schultern trägt, so wie es Schweinsteiger & Co. am kommenden Sonntag mit Jogi Löw machen werden. Eher schleppt der Bund die Länder auf seinem Rücken umher – womit zumindest in diesem Zusammenhang geklärt wäre, dass "Huckepack" die Rückentragevariante beschreibt.

Für die Europäische Währungsunion wird eine vergleichbare Anleihevariante ebenfalls diskutiert. Sprachbarrieren dürften die Etablierung des Begriffs "Huckepack" jedoch verhindern. Und inwieweit der Schritt nach vorne in Deutschland ein Modell für die Eurozone darstellt, muss sich erst noch zeigen. Die aktuelle Diskussion läuft jedenfalls nicht darauf hinaus. Diskussionsgrundlage beim EU Gipfel in Brüssel ab Donnerstag dürfte die Ausarbeitung der Großen Vier (Draghi, van Rompuy, Juncker, Barroso) sein. Reuters berichtet, dass das 10-15seitige Papier eine Vier-Säulen-Strategie für Europa modelliert: Fiskal-Union, Banken-Union, Wirtschafts-Union und Politische Union. Die deutsche Delegation wird den Standpunkt vertreten, dass eine Banken-Union nicht ohne eine Fiskal-Union möglich sei, und dass eine Fiskal-Union nicht ohne eine Politische Union möglich sei…

Unter anderem wohl deshalb schrauben die Anleger ihre Erwartungen an den Gipfel in einer Art Enttäuschungsantizipation immer weiter herunter. Klassisches Handelsmuster gestern: Euro schwächer und quasi im Huckepack Aktien schwächer, Bunds fester, Peripherie-Spreads weiter – in sich betrachtet immerhin eine schlüssige Kursentwicklung. Da haben wir in den vergangenen Wochen ja auch schon Tage mit weniger konsistenten Bewegungen in den einzelnen Marktsegmenten beobachtet.

In den Geschichtsbüchern wird dereinst stehen, dass am 25. Juni 2012 mit Spanien und Zypern die Mitgliedsstaaten #4 und #5 Unterstützung aus den europäischen Rettungsschirmen beantragt haben. In beiden Fällen geht es um die Stützung der Banken, in beiden Fällen sind sämtliche Details noch unklar. Und auf beide Ereignisse hat der Markt kaum reagiert, weil in beiden Fällen die Anträge bereits seit etlichen Tagen erwartet worden waren. Der Handel in den Märkten läuft heute früh etwas entspannter als gestern. Ein Stimmungsumschwung zurück zu einer Antizipations-Rallye erscheint allerdings eher unwahrscheinlich. Spannend bleibt, ob die Anleger die Regierungschefs nach dem Gipfel auf ihren Schultern tragen werden. In diesem Fall würden wir dann wohl von einer Huckepackrallye sprechen…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Wed Jun 27, 2012 12:37 pm

Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 27. Juni 2012 !

■ Dekaden-Agenda: Europäisches Quartett stellt eine Vision für Europa vor
■ Langzeit-Versprechen: Merkel lehnt gesamtschuldnerische Haftung langfristig ab
■ Kurzzeit-Beruhigung: Anleger haben sich mit einem enttäuschenden EU-Gipfel abgefunden

Mit ihrem famosen Song "Burn it down" begleitet uns die Musikgruppe Linkin' Park durch die Fußball Europameisterschaft. Nun wurde bekannt, dass sich der Sänger jener Band, Chester Bennington, als er gemeinsam mit seinen Kindern mit Stofftieren spielte, einen Rippenbruch zugezogen hat. Wir wissen ja, Gefahren lauern überall. Nicht überliefert ist sein Fluch über dieses Missgeschick: "Fackelt die Tiere ab!" Bennington wird jetzt keine Songs aufnehmen, "solange ich nicht richtig atmen kann". Einen größeren Zeithorizont wählte Bundeskanzlerin Angela Merkel, als sie sich gestern in einer Sitzung der FDP Bundestagsfraktion zu Eurobonds äußerte: "Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe." Verschiedene Teilnehmer der Runde hätte diese Aussage gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt.

Regierungssprecher Steffen Seibert erläuterte daraufhin, selbst hierzulande gäbe es auch nach sechzig Jahren Bundesrepublik noch keine "gemeinschaftliche Haftung", und daher sehe die Kanzlerin eine solche Entwicklung auch nicht in Europa. Was genau Frau Merkel in der Sitzung gesagt hat und was sie mit ihren Worten letztendlich meinte, kann im Moment nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bewertet werden. Unübersehbar scheint indes, dass sich die Bundesregierung in ihrer Haltung relativ stark gegen die neue 10-Jahres-Agenda der Europäischen Union stemmt.

Gestern Mittag haben die "Famosen Vier" (EU Ratspräsident Herman van Rompuy, Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker, Kommissionspräsident Jose Manue Barroso und EZB-Präsident Mario Draghi) ihre mit Spannung erwartete Roadmap für das Europa der nächsten Dekade vorgelegt. Was sofort ins Auge fällt: Die Ausarbeitung ist lediglich sieben Seiten lang. In einer Union, in welcher selbst die Stofftier-Richtlinie 37 Seiten umfasst (2009/48/EG), ist dies ein erfrischender Anfall von Leichtigkeit. Es liegt in der Natur der Dinge, dass auf sieben Seiten die Details der Visionen und Vorschläge relativ kurz kommen. Aber das ist auch gut so. Ziel der Ausarbeitung war es, eine Vision für ein Europa im Jahr 2022 aufzuzeigen. Dieses Ziel wird mit diesem Siebenseiter in einer Art und Weise erreicht, wie wir es lange nicht mehr erlebt haben.

Inhaltlich ist die Diskussion ab sofort eröffnet. Van Rompuy & Co. sehen die Europäische Währungsunion auf dem Weg in eine Banken-Union, in eine Fiskal-Union und in eine demokratisch legitimierte politische Union. "Mittelfristig könnte die Ausgabe gemeinsamer Schuldtitel als ein Element der Fiskal-Union ausgekundschaftet ('explored') werden", heißt es in dem Papier. Und es war wohl dieser Passus, welcher Merkel zu ihrer "So lange ich lebe"-Einschätzung verleitet hat.

Für den morgen beginnenden EU Gipfel liegt nun einerseits eine im Prinzip formidable Diskussionsgrundlage vor. Andererseits erscheinen die inhaltlichen Gräben bereits vor Beginn der Gespräche unüberwindbar. Was bleibt den Anlegern in den Finanzmärkten da anderes übrig, als mit enttäuschenden Gipfelergebnissen zu rechnen? Auch wenn sich das Marktgeschehen seit gestern früh spürbar beruhigt hat (zum ersten Mal seit über einer Woche kam der Bund Future mit einer Handelsspanne von weniger als 100 Stellen aus!), so ist die quasi in vorauseilendem Gehorsam geäußerte Frustration über den EU Gipfel doch jederzeit spürbar. Auch heute sieht es nach einem eher ruhigen Handelsgeschehen aus. Dennoch wird wohl kein Händler aus purer Langeweile mit Wattebäuschchen werfen oder mit Kuscheltieren spielen – ist einfach zu gefährlich…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Thu Jun 28, 2012 11:39 am

Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 28. Juni 2012 !

■ Anpfiff: Heute beginnt der 19. EU Gipfel seit Ausbruch der Schuldenkrise vor 2½ Jahren
■ Abpfiff: Die meisten Beobachter erwarten wenig greifbare Ergebnisse
■ Verlängerung: Aber die Chancen für die Verabschiedung einer Roadmap stehen gut

"Wir sind heute an einem entscheidenden Moment der europäischen Integration angekommen. Wir müssen deutlich aussprechen, welche Vision Europa verfolgt und wie der Weg dorthin konkret aussieht. Ich bin mir nicht sicher, ob die Dringlichkeit der Situation in allen Hauptstädten der Europäischen Union richtig verstanden wird. Ich glaube, dass der Europäische Rat einen deutlichen Anstoß für unsere Wachstumsagenda geben kann – wenn nicht sogar geben muss. Außerdem muss die Grundlage für einen längerfristigen Prozess zur Bildung einer stärkeren, echten Wirtschafts- und Währungsunion geschaffen werden. Eine echte Wirtschafts- und Währungsunion erfordert meines Erachtens eine Banken-Union, eine Fiskal-Union und weitere Schritte hin zu einer politischen Union. Was wir jetzt brauchen, ist ein großer Schritt nach vorne."

Wow, mag sich da der eine oder andere Leser denken, jetzt holt der kleine Purps aber mal so richtig die Keule raus. Der spricht heute ja wie ein Präsident! – Ja, das tut er. Aber es sind nicht seine Worte, es sind die Worte eines anderen Präsidenten, nämlich die von José Manuel Barroso, seines Zeichens Präsident der Europäischen Kommission. Barroso richtete vorgestern einen flammenden Appell an alle Beteiligten. Auszüge seiner Rede habe ich oben (in meiner eigenen Übersetzung) wiedergegeben.

Heute beginnt der 19. EU-Gipfel in den letzten zweieinhalb Jahren. Mal wieder wird von einem "historischen Gipfel" gesprochen. Die Erwartungshaltung der Beobachter ist klar: Sie hoffen alle, dass die Staats- und Regierungschefs jetzt endlich "den Faden auf die Spule bringen" (Verfasser unbek.), "etwas Fleisch auf die Knochen packen" (Verfasser unbek.) und sich "nicht in der Kunst üben, Locken auf einer Glatze zu drehen" (Verfasser unbek.).

Die Agenda ist soweit bekannt: es geht um kurz-, mittel- und langfristig wirkende Maßnahmen:
Kurzfristige Maßnahmen: betreffen eigentlich alle den ständigen Rettungsschirm ESM: Rang ("Seniorität") von ESM-Krediten; Anleihenkäufe; Banklizenz; direkte Banken-Rekapitalisierung
Mittelfristige Maßnahmen: Wachstumspakt (mit umgeschichteten 130 Mrd. Euro); Finanztransaktionssteuer
Langfristige Maßnahmen: Banken-Union; Fiskal-Union; Politische Union; Euro-Bonds, Euro-Bills; Schuldentilgungsfonds

In den Finanzmärkten sind die Erwartungen hinsichtlich greifbarer Gipfel-Ergebnisse gedämpft oder, wie es in einem englischsprachigen Kommentar heute früh wunderbar formuliert heißt, die Marktteilnehmer würden ihren "increasingly diminished expectations" Ausdruck verleihen.

Im Vorfeld machten die Protagonisten ihre Positionen noch einmal klar: Angela Merkel rutschte ihre "Solange ich lebe"-Aussage heraus und Spaniens Mariano Rajoy warnte, sein Land könne sich möglicherweise bald nicht mehr refinanzieren.

Begleitet wird der heutige Gipfelbeginn von deutschen Arbeitsmarktdaten, von der Auktion fünf- und zehnjähriger Staatsanleihen in Italien sowie von der Erkenntnis, dass für zwei Drittel der Amerikaner Amtsinhaber Barack Obama besser als Herausforderer Mitt Romney geeignet sei, mit einer Invasion Außerirdischer umzugehen.

Wenn der kleine Purps eine flammende Rede zu dem historischen (da steckt das Wort "Tor" drin…) EU Gipfeltreffen halten müsste, würde er sich in Anlehnung an Franz Beckenbauer schön kurz halten: "Geht's raus, macht's Europa!"
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Fri Jun 29, 2012 10:47 am

Guten Morgen, heute ist Freitag, der 29. Juni 2012 !

■ 1:0 Balotelli: EU Gipfel einigt sich auf 120 Mrd. Euro-Wachstumspakt
■ 2:0 Balotelli: ESM-Kredite verlieren vorrangigen Status; ESM wird "flexibilisiert"
■ 2:1 Özil: Märkte sind auch vier Stunden nach Bekanntwerden der Gipfelbeschlüsse noch erfreut

Gab es diesen Deal? Die Gerüchteküche kocht. Es wäre genau DIE Entscheidung, auf welche alle Anhänger von Schweinsteiger & Co. seit Jahrzehnten gewartet hätten. Die Zusammenhänge sind offensichtlich, aber eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Deutschland stimmt Wachstumspakt und ESM-Reform zu. Im Gegenzug akzeptiert Italien, bei der nächsten WM oder EM gegen Deutschland zu verlieren. Wie gesagt, nur ein Gerücht. Aber hierzulande ist die Stimmung heute früh derart frustriert, dass man den Eindruck gewinnt, als wären die Bürger bereit, sämtliche Souveränitätsrechte und Schuldenvergemeinschaftungsvorbehalte über Bord zu werfen, wenn es nur ein einziges Mal gelänge, bei einem großen Fußballturnier den ewigen Rivalen südlich von München zu besiegen.

Als Mario Balotelli den Ball mit 120 km/h in die Maschen drosch, trat Ratspräsident Herman van Rompuy in Brüssel vor die Medienvertreter und verkündete: Habemus Wachstumspaktum. 120 Mrd. Euro werden über Umschichtungen in den EU Strukturfonds (ca. 55 Mrd.), über Projektanleihen (ca. 5 Mrd.) und über eine Kapitalerhöhung der Europäischen Investitionsbank (10 Mrd. frisches Kapital für 60 Mrd. frische Kredite) für Maßnahmen zur Förderung des Wachstums und die Bekämpfung der (Jugend-)Arbeitslosigkeit in der EU aufgebracht. Ursprünglich war mal von 130 Mrd. Euro die Rede, aber dafür hätte das Muskelpaket mit dem Irokesenschnitt wohl noch härter schießen müssen.

Und als auf den Fanmeilen zwischen Berlin und Pforzen schon längst die Mitarbeiter der örtlichen Stadtreinigungsbetriebe ihren Dienst verrichteten, trat van Rompuy ein weiteres mal vor die Presse: Habemus Nuntium. Wir haben eine Botschaft. Und die lautet wie folgt:
Bankenaufsicht: Innerhalb der EZB wird eine Europäische Bankenaufsicht eingerichtet – ein erster Schritt auf dem Weg zu einer Europäischen Banken-Union.
ESM I: Sobald eine solche Bankenaufsicht eingerichtet ist, wird es dem ständigen Rettungsschirm ESM möglich sein, Banken "unter angemessenen Bedingungen" direkt mit Kapital zu versorgen.
ESM II: Der ESM darf "in flexibler und effizienter Weise" eingesetzt werden, um die Anleihenmärkte der Mitgliedsländer zu stabilisieren. Das bedeutet möglicherweise, dass der ESM Staatsanleihen kaufen kann, allerdings nur unter Einhaltung einer ganzen Reihe von Auflagen und Bedingungen. Diese gehen jedoch nicht so weit, dass ein Duo, eine Troika oder eine Quadriga aus EZB, IWF und wem auch immer regelmäßig die Haushalts- und Reformpolitik der unterstützten Mitgliedsstaaten überwacht.
ESM III: Die Kredite des ESM zur Rekapitalisierung der spanischen Banken werden keinen vorrangigen Gläubigerstatus genießen.
Irland: Die Inselrepublik bekommt für sein Rettungspaket die gleichen Konditionen wie Spanien.

Diese vorläufigen Gipfelergebnisse übertreffen die pessimistischen Erwartungen der Anleger um Längen. Die Verhandlungen wurden mit harten Bandagen geführt: "Wir stimmen dem Punkt A nicht zu, solange ihr nicht Punkt B zustimmt", wurde gleich mehrfach gedroht. Heute gehen die Gespräche weiter. Thema: Die 10-Jahres-Agenda der Famosen Vier. Am Abend stimmen Bundestag und Bundesrat über Fiskalpakt und ESM ab. Unmittelbar danach werden gegen Fiskalpakt und ESM Klagen beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Die Marktreaktion auf die Gipfelbeschlüsse ist zunächst mal sehr positiv: EUR-USD hüpft von 1,2450 auf 1,2600, der Bund Future eröffnet rund 100 Stellen leichter und der DAX Future signalisiert zur Handelseröffnung ein Kursplus von rund drei Prozent. Jeder, der jetzt kommt und meint sagen zu müssen, das Stimmungshoch halte sowieso nur ein paar Minuten an, wird unverzüglich im Mantel- und Bogentresor eingesperrt – und zwar so lange, bis Deutschland mal gegen Italien gewonnen hat…

(Anmerkung: Montag machen die Overnight Impressionen einen Tag Pause.)
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Tue Jul 03, 2012 12:45 pm

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 3. Juli 2012 !
■ Zuversicht: Marktbewertung der EU Gipfelbeschlüsse fällt weiterhin positiv aus
■ Normalsicht: EZB könnte sich am Donnerstag auf konventionelle Maßnahmen besinnen
■ Vorsicht: Signale der Weltkonjunktur leben von der Hoffnung auf Besserung

"Ich hätte mir mehr gewünscht. Und wir haben mehr erreicht, als ich dachte, dass wir erreichen würden." Mit dieser verklausulierten Von-hinten-durch-die-Brust-vorne-ins-Knie-Formulierung würdigte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom vergangenen Donnerstag. Nun, mit ein paar Tagen Abstand lassen sich zwei überraschende Feststellungen treffen: Erstens, die über die Erwartungen hinausgehenden Gipfelbeschlüsse sind besonders deswegen bemerkenswert, weil sie unter nur moderatem Druck der Finanzmärkte zustande kamen. Zwar stiegen die Renditen in Spanien und Italien in den vergangenen Wochen recht deutlich an, aber im unmittelbaren Vorfeld des Gipfeltreffens entspannte sich die Lage etwas. Wir wissen, dass die Staats- und Regierungschefs sich stets dann äußerst ent- und beschlussfreudig zeigen, wenn der "Druck vom Parkett " am größten ist. Spätestens letzte Woche aber haben die Volksvertreter gezeigt, dass sie auch anders können.

Zweitens fällt die Marktreaktion ins Auge. Zunächst mal war sie positiv. Weiters hält die positive Kursentwicklung bis jetzt an, das heißt, auch nach mehr als zwei vollen Handelstagen, unterbrochen von einem Lass-uns-über-die-Beschlüsse-nochmal-nachdenken-Wochenende, werden die Gipfelbeschlüsse als "insgesamt positiv" bewertet. Schließlich fällt auf, dass diese Einschätzung erfolgt, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) innerhalb der Gipfelbeschlüsse nur eine Nebenrolle spielt. Ja, bei der EZB soll die europäische Finanzaufsicht aufgehängt werden. Und ja, die EZB wird im Namen und für Rechnung des Rettungsschirms ESM dereinst möglicherweise die Anleihenkäufe abwickeln. Aber weder enthielten die Beschlüsse eine außergewöhnliche Interventionsmaßnahme noch wurden sie von irgendwelchen unkonventionellen Politikmaßnahmen der EZB begleitet. Und dennoch ist die Marktreaktion positiv und, an den Erfahrungen vergangener Episoden gemessen, lang anhaltend.

Aber vielleicht zieht die EZB ja noch nach. Das Treffen der europäischen Notenbanker am kommenden Donnerstag wird der nächste Höhepunkt einer an Ereignissen wahrlich nicht armen Woche sein. Ausnahmsweise rechnen die Beobachter mal nicht mit der Ankündigung "unkonventioneller" Maßnahmen; vielmehr steht eine ganz konventionelle Zinssenkung zur Debatte. Na ja, so ganz konventionell ist das dann doch nicht: Der Refisatz steht derzeit bei 1,00%. Eine weitere Reduzierung würde den Leitzins auf neue historische Tiefstände drücken. Und was ist mit dem Depo-Satz? Dieser Zins steht aktuell bei 0,25% und die EZB zahlt ihn auf bei ihr getätigte Einlagen überschüssiger im Finanzsystem umherschwirrender Liquidität. Wird dieser Zinssatz etwa auch gesenkt? Auf 0,00%? Kann man sich sogar vorstellen, dass die EZB beide Zinssätze, Refi- und Depo-Satz, um jeweils 50 Bp senkt? Damit läge der Depo-Satz bei -0,25% - Geschäftsbanken, die ihre Liquidität auf diesem Konto parken würden, müssten dafür auch noch Zinsen zahlen, anstatt welche zu bekommen?!? Sicher ist sicher… Wir sehen gute Chance für eine "kleine" Lösung, mit welcher Refi- und Depo-Satz um jeweils 25 Bp reduziert werden.

Während also mit Blick auf die Entwicklungen in der Eurozone gegenwärtig die Pluszeichen überwiegen, sorgen sich die Anleger mehr und mehr um den Ausblick für die weltweite Konjunktur. Die Befragungen der Einkaufsmanager (ja, die PMIs…) in 26 Ländern zeigten in nur zehn Staaten eine Verbesserung, und in lediglich acht Ländern bewegt sich der PMI im Expansionsbereich. Der ISM Index in den USA fiel gestern auf den tiefsten Stand seit drei Jahren Natürlich lebt jetzt die Hoffnung, dass eine Stabilisierung der Lage in Europa auch eine Verbesserung der Stimmungslage rund um den Globus mit sich bringt. Das würde ich mir wünschen. Und vielleicht werden wir ja mehr erreichen, als ich dachte, dass wir erreichen würden…

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Wed Jul 04, 2012 9:30 am

Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 4. Juli 2012 !

■ 4. Juli 2012: Es ist Feiertag in den Vereinigten Staaten
■ 5. Juli 2012: Es ist EZB-Entscheidungs-Tag in der Eurozone
■ 6. Juli 2012: Es ist Freitag auf der ganzen Welt

Manchmal wartet man ja auf Dinge, die man gar nicht erleben will. Beispiel: Du sitzt mit einem relativ kleinen Kind am Esstisch. Vor dem Kind steht ein Glas Orangensaft. Du weißt, oder Du ahnst zumindest, dass das Glas irgendwann umkippen wird. Wir Menschen im Allgemeinen und Analysten im Besonderen profitieren dabei von unserer Fähigkeit, Erfahrungen aus der Vergangenheit in Prognosen zu verarbeiten. Und so starren wir auf die Kurstafeln und warten, weil uns das die Vergangenheit so gelehrt hat, auf den sogenannten "Gipfel-Kater", auf die Ernüchterung nach einem EU-Gipfel. Wie ist es möglich, dass auch vier Handelstage nach Veröffentlichung der Gipfelbeschlüsse die Stimmung auf dem Parkett immer noch gut ist?

Ein Grund könnte sein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch nicht gehandelt hat. Das wird morgen geschehen. Und bis dahin befinden wir uns eben mal wieder in einer Antizipations-Rallye. Generell wird von der EZB erwartet, dass sie etwas an der Zinsschraube dreht. Beispielsweise könnte die EZB den Refi-Satz um 25 Bp auf 0,75% senken und den Depo-Satz unverändert bei 0,25% belassen. Wie würde der Markt dann reagieren? Einerseits würde begrüßt werden, dass die Zinsdifferenz zwischen Ausleihzins (Refi-Satz) und Einlagenzins (Depo-Satz) geringer wird, was die Geschäftsbanken in der Eurozone über den Daumen gerechnet um zwei Milliarden Euro entlasten würde (rund 800 Mrd. Euro Überschussliquidität werden zum Refi-Satz finanziert und zum Depo-Satz bei der EZB geparkt.). Andererseits könnte sich Enttäuschung darüber breit machen, dass so eine kümmerliche 25-Bp-Refi-Satz-Senkung "den Kohl ja auch nicht fett macht".

Warum senkt die EZB den Refi-Satz nicht um 50 Bp auf 0,50% und lässt den Depo-Satz bei 0,25%? Die Banken würden in analoger Pi-mal-Daumen-Rechnung um vier Milliarden Euro entlastet werden. Aber bestimmt gibt es dann wieder etliche Beobachter, die meinen, eine Zinssenkung um 50 Bp wäre ein Signal der Panik – was weiß die EZB, was wir nicht wissen?

Also dann doch nur 25 Bp Refi-Satz-Senkung, dafür den Depo-Satz ebenfalls um 25 Bp auf dann 0,00% senken? "Eine weise Entscheidung, so hat die EZB noch nicht all ihr Pulver verschossen!", würden die einen jubeln. Die anderen wiederum würden damit hadern, dass eine Gelegenheit verpasst wurde, den Zinsspread zwischen Refi- und Depo-Satz und damit die effektiven Refinanzierungskosten der Banken bei der EZB zu verringern.

Dann also doch den Refi-Satz um 50 Bp auf 0,50% reduzieren, den Depo-Satz allerdings nur um 25 Bp auf 0,00%? Damit wäre die Zinsdifferenz enger, Hurra. Aber hat die EZB dann womöglich ihren Zinsspielraum nach unten komplett ausgeschöpft? Oh je, was, wenn die Krise zurückkehrt?

Möglich wäre auch, den Refi-Satz unverändert bei 1,00% zu lassen und den Depo-Satz ebenfalls unverändert bei 0,25% zu lassen. Enttäuschung bei den einen ("Eine Chance wurde liegen gelassen…"), Freude bei den anderen ("Dann kann es ja nicht so schlimm sein…"). Oder die EZB könnte den Depo-Satz nicht um 25 Bp, sondern nur um 10 Bp oder um 15 Bp oder um 12,5 Bp reduzieren. Oder sie könnte den Refi-Satz unverändert bei 1,00% lassen und den Depo-Satz um 25 Bp auf 0,50% anheben.

Konnte mir eigentlich irgendwer bis hierhin folgen? Sei's drum. Egal, was die EZB morgen macht, es wird im Markt welche geben, die ihre Entscheidung toll finden. Und es wird andere geben, die rummotzen werden. Schmeißt das Kind das O-Saft-Glas um, ärgern wir uns, weil wieder der ganze Tisch versaut ist. Aber ein bisschen freuen wir uns auch – weil wir mit unserer Prognose richtig gelegen haben…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Thu Jul 05, 2012 12:09 pm

Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 5. Juli 2012 !

■ Vorahnung: Auktion spanischer Anleihen sollte die Marktstimmung stabilisieren
■ Vorfreude: EZB-Entscheidung ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten
■ Vorausschau: Morgen US Arbeitsmarktbericht mit Implikationen für die Fed-Politik

Vorfreude ist den Deutschen angeboren. Man freut sich auf die EM (naja…), man freut sich auf den Sommer (wird scho…), man freut sich auf die Hochzeit (Wo sind die Ringe??), das Date (Passen die Socken zu meinem Unterhemd?) oder die Entdeckung der Gottesteilchen (Kann man das essen?). Und dann gibt es eine Spezies von Menschen, die wir hier nicht näher bezeichnen wollen, die freuet sich sogar auf die Pressekonferenz im Anschluss an eine Sitzung des geldpolitischen Rates der Europäischen Zentralbank. So sind wir nun mal, wir Finanzmarkfetischisten…

Heute ist es also so weit. Nachdem der Rat der EU Staats-und Regierungschefs Ende vergangener Woche in Vorlage getreten ist, kommt heute der Rat der Notenbank der 17 Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion zum Zug. Wird die EZB die Beschlüsse vom Freitagmorgen durch eine lockerere Zinspolitik alimentieren?

Gestern haben wir an dieser Stelle die Optionen der EZB vorgerechnet. Da ging es um die mögliche Senkung des Refinanzierungs-Satzes, der aktuell bei 1,00% steht. Und da ging es um eine mögliche Reduzierung des Zinssatzes für die Einlagen-Fazilität, den Depo-Satz, welcher derzeit bei 0,25% herumkrebst. Eines scheint klar: Die realwirtschaftlichen Auswirkungen jedweder Zinssenkung dürften überschaubar sein. Es ist derzeit gewiss nicht der Preis fürs Geld, welcher die Kreditvergabe in der Eurozone hemmt. Insofern kommt es für die EZB darauf an, ein Zeichen zu setzen: Hey Leute, wir sind da, we care for you!

Um zurück auf die Vorfreude der Finanzmarktaffinen zu kommen: "Man" erwartet, dass "was" kommt. Egal was, Hauptsache, es kommt was. Und danach grübeln wir dann, ob das, was gekommen ist, gut war oder nicht. Von unserem Date mit der Zentralbank soll ein Signal ausgehen: Ja, alles wird gut, die Politiker kümmern sich, die Zentralbanker kümmern sich, alle kümmern sich.

Oder aber es tritt das Gegenteil ein. Der Interpretationsspielraum für jedwede Zinsentscheidung der EZB ist sehr vielschichtig. Möglicherweise hängt die Bewertung der EZB-Entscheidung sogar davon ab, in welcher Stimmung "die Märkte" "in die EZB-Sitzung hineingehen".

Gestern war "risk-off". Zum ersten Mal seit Bekanntgabe der Gipfelbeschlüsse hatten die Anleger gestern kein Interesse, einen auf Gute-Laune-Bär zu machen und boten stattdessen das übliche Krisenprogramm an: Euro schwächer, Bunds fester, Peripherie-Anleihen schwächer. Aber man muss diese Marktbewegungen mit Vorsicht genießen: Gestern war in den USA handelsfreier Tag, da passiert eben auch hierzuande umsatzmäßig eher wenig und die Kurse schlagen schon mal unkontrolliert aus. Heute früh erscheint die Marktverfassung stabil, es sind keine Tendenzen nach links oder rechts zu identifizieren. Im Vorfeld der EZB-Entscheidung steht noch die Auktion spanischer Staatsanleihen an. In der jüngeren Vergangenheit war es stets so, dass die Platzierung spanischer Papiere zwar zu relativ hohen Zinsen, insgesamt jedoch ziemlich unspektakulär und unproblematisch über die Bühne ging. Warum sollte das ausgerechnet heute anders sein?

Folglich können wir davon ausgehen, dass "die Märkte" in relativ guter Verfassung das Verdikt Mario Draghis erwarten. Und selbst wenn die EZB dann durch ist – einen Mangel an Vorfreude kennen wir Finanzmarktaffinen natürlich nicht: Morgen kommt der Arbeitsmarktbericht aus den USA. Und vielleicht bringt dieser eine Botschaft für die amerikanische Notenbank. Das wäre klasse, denn dann könnten wir uns sofort auf das nächste Treffen der Fed vorfreuen…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Fri Jul 06, 2012 11:58 am

Guten Morgen, heute ist Freitag, der 6. Juli 2012 !

■ Zinsen weg: EZB, China und Dänemark senken Leitzinsen; BoE weitet QE aus
■ Laune weg: Von der guten Nachgipfelstimmung wurde bereits viel eingebüßt; Aktien olé
■ Jobs nicht weg: US Arbeitsmarkt wird wohl weiterhin eine moderate Erholung zeigen

Wie ist so die Einstellung der Händler zu "ihren" Märkten? Ist das eine Zweckbeziehung? Ist es Freundschaft oder gar Liebe? Vielleicht ja letzteres, dann sollten wir uns nicht wundern, wenn uns heute der eine oder andere Händler schmatzend und mit spitzem Mund auf dem Gang begegnet: Am Tag des Kusses soll man seinem / seiner Liebsten ruhig mal einen Gefallen tun. Nach den Entwicklungen der vergangenen zwei Tage bezweifele ich jedoch, dass vielen HändlerInnenkollegInnen danach ist, das Börsenparkett oder die Buy-Taste ihres Trading-Systems zu knutschen.

Ziehen wir mal Zwischenbilanz und vergleichen die aktuellen Kurse mit denen von vor einer Woche, unmittelbar, bevor die Knutschrallye im Anschluss an den EU-Gipfel einsetzte: Der Euro steht gegenüber dem US Dollar rund ein halbes Prozent schwächer da. Die Bundrenditen sind etwa 10 Bp niedriger. Die Kursgewinne spanischer und italienischer Staatsanleihen sind abgebröckelt, noch aber liegen die Renditen zwischen 15 Bp (10J Spanien) und 80 Bp (2J Spanien) niedriger als vor dem Gipfel. Gold hat um rund 3% zulegen können – und richtig happy sind die Aktienleute: volle 6% Plus stehen für Dax und EuroStoxx zu Buche. Zeig mir Deinen Kussmund, und ich sage Dir, was Du handelst…

Die Aktienperformance überrascht etwas, wenn man dagegen stellt, dass immer mehr Zentralbanken immer mehr besorgt über den konjunkturellen Ausblick sind. Alles begann am Dienstag, als die Zentralbank Ugandas ihren Leitzins um volle 100 Bp auf 19% senkte (aha, DA sind die Zinsen hingeflüchtet…). Gestern folgte Kenia mit einer Leitzinsreduktion um 150 Bp auf 16,50%. China senkte den Ausleihsatz auf 6,00% und den Einlagensatz auf 3,00%. Zinsjäger müssen also weit reisen, denn in unseren Breitengraden sind die Leitzinsen hinter dem Komma bisweilen geringer als in Afrika vor dem Komma: Bank of England: 0,50%, keine Zinssenkung, aber Ausweitung des Quantitative Easing-Programms um 50 Mrd. Pfund. Europäische Zentralbank: Refi-Satz minus 25 Bp auf 0,75%, Depo-Satz minus 25 Bp auf 0,0000%. Dänemark: Ausleihzins minus 25 Bp auf 0,20%, Einlagenzinssatz minus 25 Bp auf minus 0,20%. Liquiditätsanlagen bei der Dänischen Nationalbank kosten jetzt Geld. Im Euroraum haben wir ZIRP (Zero Interest Rate Policy), in Dänemark NIRP (Negative IRP).

Die EZB begründete ihre Zinssenkung damit, dass sich einige der ehemaligen Wachstumsrisiken bewahrheitet hätten und dass die Wachstumsschwäche nun zunehmend auch die Kernländer des Währungsgebiets erfasse. Präsident Mario Draghi räumte ein, dass die Zinssenkung in diesem Umfeld vermutlich nur einen geringen positiven Effekt haben werde. Im Markt nicht voll eingepreist war die Reduktion des Depo-Satzes auf Null. 791 Mrd. Euro, die derzeit auf dem "Tagesgeldkonto" der EZB geparkt werden, erzielen ab sofort keine Zinserträge mehr. Händler sind sich über die möglichen Auswirkungen unsicher. Erfahrungen im Nullzinsland Schweiz zeigen, dass das Geschäftsvolumen im Handel der Banken untereinander fast zum erliegen kommen könnte. Für Geldhändler vielleicht eine Gelegenheit, den Sommerurlaub vorzuziehen und zu Hause zu bleiben. Herdprämie statt Bonus…

Auch die US Notenbank hat ihre geldpolitische Ausrichtung vor Kurzem ja gelockert, indem sie Operation Twist verlängerte. Im Markt kursieren dennoch weiterhin Mutmaßungen, wonach die Fed zu einem weiteren "echten" Quantitative Easing Programm (QE3) gezwungen werden könnte. Entscheidend hierfür: Die Verfassung des US Arbeitsmarktes. Heute gibt es die Zahlen für Juni. Erwartet werden 100 Tausend neu geschaffene Stellen und eine Arbeitslosenrate von unverändert 8,2%. Wir schauen auch nach Griechenland, wo der neue Finanzminister Yannis Stournaras sein Programm vorstellen wird. Koalitionskollege Evangelos Venizelos forderte gestern bereits eine Streckung des Sparprogramms um drei Jahre. Aber heute ist ein guter Tag, um Forderungen zu stellen. Echte Freunde werden nicht zögern, Dich trotzdem zu küssen…

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Kornelius Purps
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