by taucher » Tue Apr 03, 2012 9:42 am
Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 3. April 2012 !
■ Wachstums-Pause: Europäische PMIs signalisieren bestenfalls eine zögerliche Erholung
■ Sende-Pause: Ausgedünnte Nachrichtenlage sorgt für extrem ruhiges Handelsgeschehen
■ Bullet-Pause: Dieser Gedankenstrich bleibt aus drucktechnischen Gründen inhaltsleer
Heute passiert etwas. Ganz bestimmt. Was passieren wird, das weiß ich auch nicht. Aber es kann nicht sein, dass heute nichts passiert. Schon seit mehr als zwölf Stunden ist nichts passiert ist. Und ausweislich der gängigen Event- und Datenkalender wird auch in den kommenden zwölf Stunden nichts passieren. Das würde bedeuten: 24 Stunden wäre nichts passiert. Ein Blick auf das Marktgeschehen verrät: Sämtliche Kursänderungen werden nur in homöopathischen Dosen durchgesetzt. Nicht mal veritable Gerüchte überdecken das Nachrichtenloch, jedenfalls ist mir nichts zu Ohren gekommen, was über Ashton Kutchers Rollenangebote hinaus ginge.
Man stelle sich das mal vor: 24 Stunden passiert nichts. Einfach nichts. Das geht nicht. Also passiert was. Irgendwas. Und so wird es heute kommen: Irgendetwas wird passieren. Und dann wird’s die Kurse umher- und herumschleudern, als wenn das, was passiert ist, das Letzte sein wird, das je passieren wird. Bei der Annäherung an das, was passieren könnte, muss ich natürlich zurückhaltend argumentieren. Nicht, dass irgendetwas passiert, weil ich hier geschrieben habe, es könnte passieren, und nachher wird mir vorgeworfen, hätte ich nicht spekuliert, dass das passiert, dann wäre das gar nicht passiert.
Passieren könnte beispielsweise, dass jemand versucht, einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und Europa zu schlagen, einen Keil der wachstumsdynamischen Differenzausweitung. Weil: In Amerika wurde gestern der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe veröffentlicht, der sogenannte ISM Index. Und dieser Index stieg an, er befindet sich deutlich oberhalb der Expansionsschwelle und signalisiert halbwegs stabiles Wirtschaftswachstum. Zwar lassen verschiedene Unterindikatoren Zweifel an der Nachhaltigeit der durch den ISM suggerierten Wachstumstendenzen aufkommen, aber es hat ja auch keiner behauptet, die USA befänden sich in einem Mega-Boom. Also alles in allem geht der ISM in Ordnung. Mund abwischen, weiter machen.
Auch für einige Länder der Eurozone wurden gestern Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe vorgelegt, die sogenannten PMIs. Nimmt man die verschiedenen Umfragetechniken und berücksichtigt vorläufige und nachläufige Daten mal für den einen, mal für den anderen Sektor, so handelt es sich bei der Veröffentlichung von PMIs ja um ein nahezu tägliches Ereignis. Der gestrige Datenkranz lieferte nun nicht durchweg bessere, aber auch nicht durchweg schlechtere Umfragewerte, Wasser auf die Mühlen der Glas-halbleer-Glas-halbvoll-Bedenkenträger. Bemerkenswert: heute ist ein sogenannter PfT, ein PMI-freier Tag, das heißt hinsichtlich der Einkaufsmanagerindizes passiert heute auch nichts...
Zurück zu meiner Was-passiert-Mutmaßung: Heute könnte also jemand kommen, irgendjemand, dessen Worte Gewicht haben oder dessen Gewicht nach Worten ringt, und der- oder diejenige sagt so etwas wie: „Der Konjunkturvorsprung Amerikas ist kein kurzzeitiges Phänomen, sondern wird die nächsten 10-20 Jahre andauern, wenn in Europa nichts passiert.“ Nun ist es ja nicht so, dass in Europa nichts passiert, wird doch jede Menge unternommen, um die Grundlage für langfristiges Wachstums zu legen. Nur heute passiert eben nichts. Aber unser Wortgewicht hat gesprochen, und „der Markt“ reagiert: Dollar rauf und Euro runter, Bünde fest und Treasuries bunter. Jeder Händler hat’s kapiert: Jetzt ist hier mal was passiert!
Und was passiert, wenn das alles heute nicht passiert? Mei, dann machen wir halt mal einen Tag Pause. Denn wir wissen ja heute schon, dass morgen wieder etwas passiert: EZB Pressekonferenz und – man hätte es ahnen müssen – PMI-Daten...
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research
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