Market Snapshot: Overnight Impressionen

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby jonman » Thu Mar 29, 2012 11:47 am

taucher wrote:Von hier aus sind drei Entwicklungen vorstellbar: Erstens, wir befinden uns am Beginn eines längeren Abwärtstrends. Zweitens, wir haben ein Plateau erreicht, auf welchem wir uns in den nächsten Wochen tendenziell seitwärts bewegen. Oder drittens, die gegenwärtige Phase insgesamt stagnierender Kursnotierungen beispielsweise in Aktien beschreibt lediglich eine Atempause nach den zügigen Kursgewinnen seit Jahresbeginn.

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Fri Mar 30, 2012 11:07 am

Guten Morgen, heute ist Freitag, der 30. März 2012 !

■ Starke Schwankungen: Gestern noch betrübte Märkte, heute schon wieder gute Stimmung
■ Weite Bandbreite: Für das endgültige Rettungsschirmvolumen stehen viele Beträge im Raum
■ Hoher Urlaubsdruck: Bevorstehende Osterpause dürfte die Tendenz zu trendlosem Handel stützen

Das ist einfach nur trendloser Handel, was wir dieser Tage in den Märkten beobachten können. Die negative Marktstimmung hielt bis in die gestrigen Vorabendstunden an. Seither geht es wieder strack in die Gegenrichtung: An den asiatischen Aktienbörsen dominieren die positiven Vorzeichen, der S&P Future steht heute früh rund ein Prozent über seinem Tief von gestern Nachmittag und EUR-USD schoss um gleich eine ganze Big Figure von 1,3260 auf 1,3360 in die Höhe. Lediglich der Rentenmarkt koppelt sich von dem plötzlichen Stimmungsumschwung ab: Der Bund Future schloss nur leicht unter seinem Tageshoch, und auch die amerikanischen Treasury-Renditen verharren nahe ihren Tiefständen.

Dieses Muster erinnert an die ersten zwei Monate dieses Jahres. Jene Phase war durch nachhaltig steigende Aktiennotierungen bei gleichzeitig stabil niedrigen Staatsanleiherenditen in Deutschland bzw. in den USA gekennzeichnet. Möglich, aber nach nur rund zwölf Stunden Stimmungsumschwung ist es sicherlich noch zu früh, um zu unterstellen, wir wären in dieses Handelsmuster zurückgekehrt.

Im Januar und Februar dominierten die Griechenland-Krise und die Liquiditätsoperationen der EZB die Schlagzeilen. Um beide Themen ist es ruhiger geworden. Heute dominieren der schwankungsanfällige Konjunkturausblick und ebenso wechselhafte Einschätzungen zu einem möglichen weiteren geldpolitischen Lockerungsprogramm der amerikanischen Notenbank Fed. Das wird sich in den kommenden Tagen mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht ändern, da in der kommenden Woche der amerikanische Arbeitsmarktbericht für den Monat März veröffentlicht wird. Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke hat ja gerade erst vor wenigen Tagen wieder betont, welch große Bedeutung die Arbeitsmarktentwicklung für die künftige Ausrichtung der Geldpolitik hat. Die heutigen Indikatoren (Chicago PMI, Michigan Konsumentenstimmung, Persönliche Ausgaben und Einnahmen) dürften vor diesem Hintergrund für die Anleger von eher untergeordneter Bedeutung sein.

Vorher heißt es jedoch noch einmal, sich auf europäische Fragen zu konzentrieren. Heute kommen die EWU Finanzminister zu einem informellen Treffen in Kopenhagen zusammen. Ziel des Treffens ist es, sich auf das Volumen des künftig zur Verfügung stehenden Schutzschirms zu einigen. Es kursieren viele Zahlen: 500 Mrd. Euro, 700 Mrd., 740 Mrd., 800 Mrd. 940 Mrd. und 1.000 Mrd. Euro standen zuletzt im Raum. Zur Erläuterung hier noch einmal die einzelnen "Blöcke": Der ESM wird bis 2014 auf eine Ausleihkapazität von 500 Mrd. Euro kommen. Die EFSF besitzt eine Kreditvergabekapazität von insgesamt 440 Mrd. Euro. Davon sind rund 200 Mrd. Euro bereits im Rahmen der verschiedenen Stützungspakete an Griechenland, Irland und Portugal zugesagt. Entsprechend besteht eine Reserve von etwa 240 Mrd. Euro. (Die vor Jahresfrist breit debattierte "effektive Ausleihkapazität" von nur 250 Mrd. statt 440 Mrd. Euro findet sich in der aktuellen Diskussion nicht wieder.) Das erste, nicht aus Mitteln der EFSF bereitgestellte Rettungspaket für Griechenland hat ein Volumen von 110 Mrd. Euro (inkl. IWF-Anteil). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble brachte gestern die Summe 800 Mrd. Euro ins Spiel (500+200+100). Sein Amtskollege Francois Baroin in Frankreich zielt hingegen auf 1.000 Mrd. Euro ab. Aus einem vorläufigen Entwurf zur Abschlusserklärung des Eurogruppentreffens ließ sich der Betrag 700 Mrd. Euro (500+200) ableiten, welcher "unter außergewöhnlichen Umständen" durch Inkludierung der 240 Mrd. Euro EFSF-Reserve auf 940 Mrd. Euro ausgeweitet werden könne.

Auf der sicheren Seite ist man wohl nur, wenn man von einem Rettungsschirmvolumen von 500-1.000 Mrd. Euro ausgeht. Ebenso ist man wohl nur dann auf der sicheren Seite, wenn man auch für die Finanzmärkte ein "anhaltend schwankungsanfälliges Handelsumfeld" voraussieht. Dies ist zwar nicht sehr befriedigend, hilft aber dabei, den kurz-bis mittelfristigen Kursrisiken in beide Richtungen Rechnung zu tragen. Die Tatsache, dass sich viele Händler und Anleger jetzt peu à peu in die Osterpause verabschieden werden, dürfte diese Einschätzung allenfalls noch bestärken.
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Fri Mar 30, 2012 11:14 am

jonman wrote:
taucher wrote:Von hier aus sind drei Entwicklungen vorstellbar: Erstens, wir befinden uns am Beginn eines längeren Abwärtstrends. Zweitens, wir haben ein Plateau erreicht, auf welchem wir uns in den nächsten Wochen tendenziell seitwärts bewegen. Oder drittens, die gegenwärtige Phase insgesamt stagnierender Kursnotierungen beispielsweise in Aktien beschreibt lediglich eine Atempause nach den zügigen Kursgewinnen seit Jahresbeginn.

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Mon Apr 02, 2012 8:47 am

Guten Morgen, heute ist Montag, der 2. April 2012 !

■ Deutschland: Vorschläge für neue Institutionen zur weiteren Stabilisierung der Eurozone
■ Europa: Keine geldpolitischen Überraschungen beim EZB-Treffen am Mittwoch
■ Welt: Gemischte Daten aus China, spannende Zahlen aus den USA, gute Stimmung im Markt

Von Deutschland über Spanien zur gesamten EU, in die USA, durch China und sogar durch die ganze Welt – dies ist die Reise in dieser auf vier Tage verkürzten vorösterlichen Handelswoche.

Beginnen wir unsere Reise in Frankfurt, EZB-Turm. Es ist Monatsbeginn, und so steht das nächste Ratstreffen der Zentralbank auf dem Kalender. Wie schon im Vormonat werden die Anleger wohl erneut von Überraschungen verschont bleiben. Während der Pressekonferenz dürfte es zu Fragen hinsichtlich möglicher Preisauftriebsgefahren infolge der generösen Liquiditätsversorgung sowohl in der Real- (Verbraucherpreisinflation) als auch in der Finanzwirtschaft (Assetpreis-Inflation) kommen. In diesem Zusammenhang notieren wir eine Meldung aus der heutigen Financial Times, wonach einige europäische Banken planen, einen Teil ihrer im Rahmen der 3-Jahres-Tender abgerufenen EZB-Gelder vorzeitig zurückzuzahlen. Die Tendergeschäfte räumen den Geschäftsbanken hierzu ein entsprechendes Optionsrecht ein, sobald ein Jahr um ist. Antrieb hinter diesen Plänen ist laut FT, die dann nur noch zwei Jahre laufenden EZB-Gelder durch längere Finanzierungen über die Märkte zu ersetzen.

Von Frankfurt geht es weiter nach Brüssel. Dort haben die Finanzminister der Eurozone am Freitag das künftige Rettungsschirmvolumen auf 800 Mrd. Euro festgezurrt. Diese Summe konnte durch Addition bereits bestehender Kreditzusagen erreicht werden. Nun hoffen die Verhandlungsführer, dass der Internationale Währungsfonds seine Kreditzusagen ebenfalls aufstockt. Hierzu bedarf es insbesondere der Unterstützung aus den BRIC-Ländern, also Brasilien, Russland, Indien und China. Damit wären wir bei unserer Reise bereits in "der Welt" angekommen – viel zu schnell, wollen wir doch erst noch nach…

Berlin: Finanzminister Wolfgang Schäuble schlägt nach Informationen des Spiegel institutionelle Verbesserungen an. Untersucht werde die Einrichtung eines Expertenrats zur Schuldenkontrolle in den Ländern der Eurozone. Und wo wir gerade bei neuen Institutionen sind: Zurück nach Frankfurt, dort hat EZB Ratsmitglied Jörg Asmussen die Errichtung eines Bank Resolution Funds angeregt, berichtet Reuters. Mit Hilfe eines solchen Funds könnte angestrebt werden, die Finanzierungskosten der Realwirtschaft innerhalb der Europäischen Währungsunion unabhängig vom Sitz der finanzierenden Bank aneinander anzugleichen. Hört sich erst mal kompliziert an, wird jedoch in den kommenden Monaten bestimmt Gegenstand weiterer Diskussionen sein.

Unsere Reise bringt uns nun nach Madrid, wo Premierminister Mariano Rajoy das Ziel bekräftigt hat, das Haushaltsdefizit im Jahr 2013 auf 3% zu drücken. Auf dem Weg dahin muss in diesem Jahr der Fehlbetrag um nicht weniger als 27 Mrd. Euro gestutzt werden. Rajoys Pläne werden erneut die Diskussion anheizen, ob zu hartes Sparen nicht die Konjunktur abwürge. Die politische Verpflichtung zu sparsamer Haushaltsführung dürfte von den Anlegern jedoch begrüßt werden.

Vorletzte Station unserer Reise ist China. Dort wurden am Sonntag zwei Stimmungsumfragen der Wirtschaft veröffentlicht. Die eine Umfrage signalisiert "Es geht bergauf", die andere "Es geht bergab". Entsprechend uneinheitlich stellt sich heute früh das Bild an den asiatischen Aktienmärkten dar: Viele Indizes sind leicht im Plus, etliche andere leicht im Minus. "Uneinheitlich" passt hier perfekt.

Schließlich landen wir in Amerika. Wenn bei uns wegen Karfreitag die Handelsräume verschlossen bleiben, werden in den USA die Arbeitsmarktdaten für den Monat März veröffentlicht - möglicherweise wegweisende Zahlen für das Handelsgeschehen in den kommenden Wochen.

Die Anleger beginnen den Handel heute früh in insgesamt angefreundlichter Stimmungslage: Euro stabil, Aktienfutures im Plus und Bunds leicht schwächer. Die gute Stimmung reflektiert offensichtlich Vorfreude auf ein Jules Verne-Event der besonderen Art: "In 80 Stunden um die Welt"…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Tue Apr 03, 2012 9:42 am

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 3. April 2012 !

■ Wachstums-Pause: Europäische PMIs signalisieren bestenfalls eine zögerliche Erholung
■ Sende-Pause: Ausgedünnte Nachrichtenlage sorgt für extrem ruhiges Handelsgeschehen
■ Bullet-Pause: Dieser Gedankenstrich bleibt aus drucktechnischen Gründen inhaltsleer

Heute passiert etwas. Ganz bestimmt. Was passieren wird, das weiß ich auch nicht. Aber es kann nicht sein, dass heute nichts passiert. Schon seit mehr als zwölf Stunden ist nichts passiert ist. Und ausweislich der gängigen Event- und Datenkalender wird auch in den kommenden zwölf Stunden nichts passieren. Das würde bedeuten: 24 Stunden wäre nichts passiert. Ein Blick auf das Marktgeschehen verrät: Sämtliche Kursänderungen werden nur in homöopathischen Dosen durchgesetzt. Nicht mal veritable Gerüchte überdecken das Nachrichtenloch, jedenfalls ist mir nichts zu Ohren gekommen, was über Ashton Kutchers Rollenangebote hinaus ginge.

Man stelle sich das mal vor: 24 Stunden passiert nichts. Einfach nichts. Das geht nicht. Also passiert was. Irgendwas. Und so wird es heute kommen: Irgendetwas wird passieren. Und dann wird’s die Kurse umher- und herumschleudern, als wenn das, was passiert ist, das Letzte sein wird, das je passieren wird. Bei der Annäherung an das, was passieren könnte, muss ich natürlich zurückhaltend argumentieren. Nicht, dass irgendetwas passiert, weil ich hier geschrieben habe, es könnte passieren, und nachher wird mir vorgeworfen, hätte ich nicht spekuliert, dass das passiert, dann wäre das gar nicht passiert.

Passieren könnte beispielsweise, dass jemand versucht, einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und Europa zu schlagen, einen Keil der wachstumsdynamischen Differenzausweitung. Weil: In Amerika wurde gestern der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe veröffentlicht, der sogenannte ISM Index. Und dieser Index stieg an, er befindet sich deutlich oberhalb der Expansionsschwelle und signalisiert halbwegs stabiles Wirtschaftswachstum. Zwar lassen verschiedene Unterindikatoren Zweifel an der Nachhaltigeit der durch den ISM suggerierten Wachstumstendenzen aufkommen, aber es hat ja auch keiner behauptet, die USA befänden sich in einem Mega-Boom. Also alles in allem geht der ISM in Ordnung. Mund abwischen, weiter machen.

Auch für einige Länder der Eurozone wurden gestern Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe vorgelegt, die sogenannten PMIs. Nimmt man die verschiedenen Umfragetechniken und berücksichtigt vorläufige und nachläufige Daten mal für den einen, mal für den anderen Sektor, so handelt es sich bei der Veröffentlichung von PMIs ja um ein nahezu tägliches Ereignis. Der gestrige Datenkranz lieferte nun nicht durchweg bessere, aber auch nicht durchweg schlechtere Umfragewerte, Wasser auf die Mühlen der Glas-halbleer-Glas-halbvoll-Bedenkenträger. Bemerkenswert: heute ist ein sogenannter PfT, ein PMI-freier Tag, das heißt hinsichtlich der Einkaufsmanagerindizes passiert heute auch nichts...

Zurück zu meiner Was-passiert-Mutmaßung: Heute könnte also jemand kommen, irgendjemand, dessen Worte Gewicht haben oder dessen Gewicht nach Worten ringt, und der- oder diejenige sagt so etwas wie: „Der Konjunkturvorsprung Amerikas ist kein kurzzeitiges Phänomen, sondern wird die nächsten 10-20 Jahre andauern, wenn in Europa nichts passiert.“ Nun ist es ja nicht so, dass in Europa nichts passiert, wird doch jede Menge unternommen, um die Grundlage für langfristiges Wachstums zu legen. Nur heute passiert eben nichts. Aber unser Wortgewicht hat gesprochen, und „der Markt“ reagiert: Dollar rauf und Euro runter, Bünde fest und Treasuries bunter. Jeder Händler hat’s kapiert: Jetzt ist hier mal was passiert!

Und was passiert, wenn das alles heute nicht passiert? Mei, dann machen wir halt mal einen Tag Pause. Denn wir wissen ja heute schon, dass morgen wieder etwas passiert: EZB Pressekonferenz und – man hätte es ahnen müssen – PMI-Daten...
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Wed Apr 04, 2012 8:57 am

Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 4. April 2012 !

■ One-for-all: FOMC Statement enthält Argumente für QE3-Befürworter und QE3-Gegner
■ All-in-one: Anleger schlagen sich auf die Seite der QE3-Skeptiker und verursachen Kurskorrektur
■ All-with-one: Hauptthema auf der EZB Pressekonferenz dürften "Risiken der Liquidität" sein

Wir haben es tatsächlich geschafft: 24 Stunden, ohne dass auch nur eine einzige Meldung über die Nachrichtenticker geflogen wäre, welche dem allgemeinen Marktgeschehen irgendeinen Impuls hätte geben können. Darauf aufbauend philosophierte ich gestern, irgendetwas müsse passieren, und irgendetwas werde passieren. Und so kam es dann auch. Wobei: Das "Irgendetwas" muss man dann doch relativieren, stammte dieses "Etwas" doch aus dem Hause der amerikanischen Notenbank.

Jemand, der gestern zu arbeitsvertraglichen Zeiten das Büro verlassen hat und heute früh zu ebensolchen zurückkehrt und sich zwischenzeitlich nicht um Blackberrys und Major Storys, sondern um Huckleberrys und Majas Ponys gekümmert hat – so ein Jemand wird sich heute früh die Augen reiben: He? Was denn nu kaputt? Aktienmärkte – geschmeidig im Minus. Anleihenmärkte – fett im Minus. Euro – deutlich im Minus. Schnellfazit: Wir leben heute in einer schlechteren Welt als gestern.

Solange sich die Freude über das Leben auf diesem Planeten an der Menge der zu erwartenden zusätzlichen Geldmengenschöpfung orientiert, kann dieses Schnellfazit als 'korrekt' bewertet werden. All diejenigen, welche ihr Glücksempfinden an anderen Maßstäben als der bereitgestellten Zentralbankliquidität ausrichten, können sich entspannt zurücklehnen. Die Welt heute ist nicht schlechter als die Welt gestern. Aber die US Notenbank hat – in den Augen mancher Marktteilnehmer – in ihrem gestern Abend veröffentlichten Protokoll ihrer letzten FOMC-Sitzung die Hoffnung auf weitere Liquiditätsspritzen gedämpft. So etwas stützt den Dollar, belastet die Rentenmärkte und wird an den Aktienmärkten mit einem gewissen Maß an Enttäuschung aufgenommen.

Seitdem die europäische Schuldenkrise so allmählich von den Titelseiten ins Feuilleton rutscht, haben die Anleger im Spekulieren über ein mögliches weiteres Anleihen-Aufkaufprogramm der US Notenbank ein neues Lieblingsthema gefunden. Das geht nun schon seit ein paar Wochen so, dass die Wahrscheinlichkeit dafür mal höher, und dann wieder niedriger eingeschätzt wird. Gestern Abend also mal wieder "Oh wie schade, es ist weniger wahrscheinlich…". Nun, über diese Einschätzung lässt sich trefflich streiten, enthielten die FOMC Minutes doch Meinungen von Befürwortern als auch Gegnern zusätzlicher Lockerungsmaßnahmen. Entsprechend lieferte der Text Argumente sowohl für eine höhere als auch eine geringere Wahrscheinlichkeit entsprechender Ankündigungen. Aber der Markt schlug sich nun mal auf die Seite der QE3-Zweifler und lieferte damit die sprunghaften Kursbewegungen. Dennoch würde ich den gestrigen Kursrutsch als nicht nachhaltig und schon gar nicht als den Beginn einer Trendwende bewerten. Bereits heute früh deutet sich an, dass die Anleger ihre eigene Fed-Interpretation schon wieder kritisch hinterfragen.

Nach der amerikanischen ist heute die europäische Notenbank an der Reihe. Wegen der Osterfeiertage bittet EZB Präsident Mario Draghi die Pressevertreter ausnahmsweise bereits am heutigen Mittwoch zur monatlichen Pressekonferenz nach Frankfurt. Wir erwarten keine kursrelevanten Entscheidungen bezüglich Leitzins oder Tenderoperationen, und auch die Einschätzungen zum Inflations- und Wachstumsausblick sollten sich nicht von denjenigen des Vormonats unterscheiden. In der Pressekonferenz dürften mögliche Folgen der Liquiditätspolitik diskutiert werden, woraus sich jedoch schwerlichst Konsequenzen für das Kursgefüge an den Finanzmärkten ableiten lassen werden.

Marktrelevanter könnten da schon die heutigen Konjunkturdaten sein: Die PMIs und der ISM für den Dienstleistungssektor sowie der ADP Arbeitsmarktbericht für die USA. Im Vergleich zu gestern dürfen wir also getrost von einer "Willkommenen Lawine An Nachrichten" sprechen – kurz: W-LAN…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Thu Apr 05, 2012 9:34 am

Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 5. April 2012 !

■ Wachstumsausblick: Gemischte Signale
■ Inflationsausblick: Gemischte Tendenzen
■ Krisenausblick: Gemischte Gefühle

Es gibt braune und weiße Osterhühnereier. Es gibt auch braune und weiße Schokoladenostereier. Es gibt in diesem Sinne auch dunkle und helle Ansichten zum Konjunkturausblick. Auch der Inflationsausblick kann skeptisch und zuversichtlich beurteilt werden. Weiters die Einschätzungen zur europäischen Schuldenkrise: "Das Schlimmste kommt erst noch ", sagen die einen. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagen die anderen. Werden die Zentralbanken noch mehr liefern? "Muss eigentlich", sagen diejenigen mit mehrheitlich braunen Schokoeiern im Nest. "Nicht nötig", behaupten die Weißeinascher.

Fassen wir zunächst die Argumente der Brauneifraktion zusammen: Demnach ist die "fiskalpolitische Austeritätspolitik" hauptverantwortlich für anhaltende Wachstumsrückgänge in den südeuropäischen Volkswirtschaften. Die immerhin zufriedenstellende Entwicklung der Konjunktur im nördlichen Teil Europas kann die Rückgänge im Süden nicht komplett ausgleichen. Die Eurozone als Ganzes steckt in einer Rezession. Die Liquiditätsmaßnahmen der Zentralbanken heizen die Rohstoffspekulationen an, der Ölpreisanstieg treibt die Inflationsrate nach oben und entzieht den Verbrauchern dringend benötigte Kaufkraft, was die Konjunktur zusätzlich belastet. Die Haushaltsziele vieler EWU-Staaten sind in einem schwachen Konjunkturumfeld kaum zu erreichen. Weitere Sparmaßnahmen sind die Folge. Die Anleger werden skeptisch, die Anleiherenditen steigen, was die Anleger noch skeptischer macht. Die kurzfristigen Effekte der EZB Langfristtender in Form deutlich sinkender Peripherie-Renditen sind verpufft. Weitere Liquiditätsmaßnahmen sind aber sehr unwahrscheinlich. Brauneivertreter blicken grimmig, und in ihrem Depot finden sich überwiegend Bundesanleihen und Dollar-Noten.

Der Blick der Liebhaber weißer Ostereier ähnelt hingegen der Passfoto-Ausstrahlung eines Einser-Abiturienten: Die Weltkonjunktur hat sich nach der Lehman-Rezession deutlich stabilisiert. Ein wenig Wellblech-Charakteristik ist nach den Verwerfungen der vergangenen Jahre nur all zu verständlich. Austeritätsmaßnahmen sind alternativlos. Wichtig ist, die Sparpolitik mit Wachstumskräfte freisetzenden Strukturreformen zu begleiten. Genau diese Strategie wird derzeit in den fraglichen Ländern gefahren. Erfolge stellen sich natürlich nicht über Nacht ein. Aber vorübergehende Wachstumseinbußen werden durch verbesserte Mittel- und Langfristperspektiven mehr als überkompensiert. Das werden früher oder später auch die Anleger so bewerten und ihre ertragsorientierte Strategie entsprechend ausrichten. Die Inflationstendenzen resultieren aus politischen Konflikten, sind daher unbeeinflussbar und aller Erfahrung nach vorübergehend. Die Zentralbanken haben umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, deren positive Wirkung sich erst in den kommenden Monaten so richtig entfalten wird. Wir brauchen nicht mehr Geld, sondern mehr Zeit und Geduld. Im Depot der Weißeivertreter liegen Aktien, Rohstoffzertifikate, Peripherie-Anleihen und Euro-Scheine.

Liebe Leser, finden Sie sich in diesen Bildern wieder? Liegt Ihre Meinung irgendwo zwischen den beiden hier beschriebenen recht extremen Einschätzungen? Wenn Sie unsicher sind, dann spielen Sie doch einfach Ostereier-Lotto: Schnappen Sie sich am Wochenende ein gut gefülltes Osternest. Zählen Sie die weißen und die braunen Eier. Dann essen Sie alle braunen Eier auf und zählen anschließend noch mal. Ich kann Ihnen versichern: Sie werden nach der Osterpause gut gelaunt und voller Zuversicht an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Ich werde es jedenfalls so machen. Für das Verspeisen hunderter brauner Schoko-Eier werde ich jedoch rund zehn Tage benötigen. Während dieser Zeit müssen die Overnight Impressionen leider pausieren. Wir hören uns dann Mitte April wieder – gut gelaunt, trotz dicken Bauchs…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Mon Apr 16, 2012 9:44 am

Guten Morgen, heute ist Montag, der 16. April 2012 !

■ Stimmungstest: Spanische Anleihenauktion am Donnerstag wird mit Spannung erwartet
■ Stimmungsaustausch: IWF Frühjahrstagung und G20 Treffen im Verlaufe der Woche
■ Stimmungsbestätigung: ZEW & Ifo Index als wichtigste Taktgeber für den Makro-Ausblick

Das muss ein Missverständnis gewesen sein. Ich sagte vor Ostern: Die bösen, pessimistischen braunen Ostereier ins Kröpfchen, die guten, optimistischen Ostereier ins Töpfchen. Aber daran hat sich wohl außer mir niemand gehalten. Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich über die letzten Tage jedenfalls zusehends eingetrübt.

Europa: Die Schuldenkrise hat nach dem Schuldenschnitt in Griechenland exakt drei Wochen Pause eingelegt. Seit Anfang des Monats steht Spanien im Fokus der Anleger. Die Haushaltsziele sind ambitioniert, die angekündigten Sparmaßnahmen von rund 37 Mrd. Euro im laufenden Jahr umfangreich und der Wachstumsausblick damit eingetrübt. Würde man dem Land jetzt zwölf Monate geben, um die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen, der Ausblick am Ende dieser Periode wäre sicherlich erfreulicher. Aber wir können Spanien nicht für ein Jahr einfach "vom Markt nehmen". Die Anleger sind ungeduldig. Der Staat hat bereits fast die Hälfte seiner diesjährigen Kreditaufnahme erfolgreich bewältigt. Die spanischen Banken haben das Angebot der EZB in großem Ausmaß angenommen, im Rahmen der 3-Jahres-Tender ihre Fundingsituation zu verbessern (Zahlen vom Freitag zeigen einen Anstieg der Bruttoausleihungen im März von 170 Mrd. auf 316 Mrd. Euro). Die Auktionen spanischer Staatsanleihen mutieren zum wichtigsten Ereignis in der internationalen Börsenwelt. Am kommenden Donnerstag ist es wieder so weit: Spanien stockt 2jährige und 10jährige Anleihen auf.

EZB: Die Diskussion um notwendige Maßnahmen der Europäischen Zentralbank wird dichter. Analysten werden gefragt, ob die Notenbank besser weitere Langfristtender (LTROs) auflegen oder wieder ihr Anleihen-Kaufprogramm (SMP) einsetzen soll. Direktoriumsmitglied Coeuré meinte, letzteres sei möglich. Der Vertreter aus den Niederlanden, Knot, entgegnete, die EZB seit "weit davon entfernt", das SMP als Instrument wieder einzusetzen. Direktoriumsmitglied Asmussen folgte mit der Einschätzung, die EZB werde "wenn nötig handeln". Aus Spanien kommen Stimmen, die eine Ausweitung der Anleihenkäufe fordern. Und Frankreichs Sarkozy, derzeit im Wahlkampfendspurt, wünscht sich eine generelle Diskussion über die Rolle der EZB.

USA: Während der Ostertage wurde in Amerika ein durchwachsener Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Unmittelbar lebte die Diskussion über weitere Lockerungsmaßnahmen der wieder US Notenbank auf. Das Thema dürfte sich im Jahr 2012 als ein Dauerbrenner entpuppen.

China: Das BIP-Wachstum lag im ersten Quartal bei 8,1%, etwas weniger als erwartet (8,3%) und deutlich weniger als erhofft (~9%). Hier wird uns die Frage begleiten, ob die Wirtschaft in China ein "Soft Landing" oder ein "Hard Landing" hinlegen wird. Wo immer man hier die Grenze ziehen will, unsere Volkswirte antizipieren ein "Soft Landing", unterstützt durch weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen. Per heute gilt für USD-CNY eine größere tägliche Schwankungsbreite von maximal ±1,0% (vorher ±0,5%). Dies ist jedoch weniger eine geldpolitische Lockerungsmaßnahme als vielmehr ein Signal der Öffnung im Vorfeld der anstehenden Frühjahrstreffen von Internationalem Währungsfonds und der G20 Notenbankchefs und Finanzminister.

Womit wir beim zweiten großen Thema in dieser Woche wären: Der IWF wird viele Analysen veröffentlichen (Global Economic Outlook, Fiscal Monitor Report, Global Financial Stability Report) und eine Erhöhung seines Kapitals diskutieren. Das dritte Thema ist die erste Runde der Parlamentswahlen in Frankreich am kommenden Sonntag. Und in all dem Trubel gibt es noch wichtige Konjunkturdaten insbesondere aus Deutschland (ZEW morgen, Ifo am Freitag) sowie zahlreiche Quartalsergebnisse aus den USA. Chancen für eine Stimmungserholung sind also reichlich gegeben – fraglich ist jedoch, ob diese genutzt werden. Vor lauter Nervosität dürften wohl viele Anleger auch ihre letzten Schokoeier – gleich welcher Farbe – verspeisen…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Tue Apr 17, 2012 9:12 am

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 17. April 2012 !

■ Ruhig: Marktgeschehen wirkt unaufgeregt und seitwärts gerichtet
■ Laut: Bund Future hält sich nahe seines neuen Allzeithochs
■ Weich: Apple Aktien fallen nach 70%igem Anstieg in den letzten Tagen um 10%

Heute können wir es kurz machen: Die Nachrichtenlage ist überschaubar, das Marktbild durchwachsen und der kurzfristige Ausblick gemischt. Wer also dringende Aufgaben zu erledigen hat (es gibt immer irgendwelche "Listen" abzuarbeiten…), dem sei empfohlen, gleich damit loszulegen. Für die Listenlosen hier ein kurzer Abriss über das Tagesgeschehen:

Die Apple-Aktie kann auch fallen. Auf zehn Prozent addieren sich die Abschläge innerhalb der letzten fünf Tage. Gestern fiel der Kurs unter die $600-Marke. Für alle, die nach den Kursgewinnen um mehr als 70 Prozent seit Jahresbeginn bereits eine Apple-Bubble befürchteten, sind die Kurskorrekturen der letzten Tage sicherlich eine beruhigende Entwicklung.

Argentinien plant, den Ölkonzern YPF teilzuverstaatlichen. YPF ist eine Tochter der spanischen Repsol-Gruppe. Repsol hielt zuletzt 57,4 Prozent an YPF, was einem Marktwert von über 4 Mrd. Euro entspricht. Medienberichten zufolge beabsichtigt Argentinien mit diesem Schritt, teure Ölimporte zu umgehen. Ordnungspolitisch ist dieses Vorgehen sicherlich diskussionswürdig.

Spanien hat bekannt gegeben, wie viel Geld das Land bei der mit Spannung erwarteten Bondauktion am kommenden Donnerstag aufnehmen will: lediglich 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro. Spanien hat bereits fast die Hälfte seiner für dieses Jahr geplanten Bruttokreditaufnahme bewerkstelligt. Daher ist es nachvollziehbar, dass in dem derzeitigen nervösen Marktumfeld ein konservatives Platzierungsziel ausgerufen wird. Bei einer vergleichbaren Auktion vor zwei Wochen war ein Platzierungsvolumen von 2,5 bis 3,5 Mrd. anvisiert worden. Als dann jedoch lediglich rund 2,5 Mrd. Euro an den Mann gebracht wurden, reagierten die Finanzmärkte sehr nervös. Seither stieg die Rendite 10jähriger spanischer Papiere um über 60 Basispunkte auf zuletzt etwas mehr als 6%.

Das Marktbild zeigt sich heute früh durchwachsen: Gestern schlossen die meisten europäischen und amerikanischen Aktienbörsen noch leicht im Plus. Aus Fernost kommen heute früh jedoch überwiegend rote Vorzeichen. Entsprechend befinden sich auch die Futures für den Dax und den S&P500 leicht in negativem Terrain. Die Anleihenmärkte wiederum schlossen gestern minimal leichter. Heute früh eröffnet der Bund Future ganz leicht fester – alles nicht weltbewegend. Bemerkenswert ist allerdings, dass diese Kursstabilität nur wenige Punkte unterhalb seines gestern aufgestellten Allzeithochs von 140,56 Punkten erfolgt (aktuell: 140,37). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Luft nach oben noch nicht ganz raus ist.

Weitere Unterstützung für Bunds könnte heute erfolgen…
… falls der ZEW Index seinen Vormonatswert von 22,3 Punkten deutlich unterbietet;
… falls die Daten zum amerikanischen Immobilienmarkt nicht den Stabilisierungstrend der vergangenen Monate nachzeichnen;
… falls die Industrieproduktion in den USA im März rückläufig war;
… und falls der World Economic Outlook des IWF unerwartete Abwärtsrevisionen für den Wachstumsausblick in wichtigen Regionen der Welt mit sich bringt.

Insgesamt sieht es aber eher so aus, als würde das Marktgeschehen vor sich hindümpeln, bis die spanische Auktion am Donnerstag, der Ifo Index am Freitag oder die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag neue Impulse liefern. Dringender Rat an alle, die es bis hierhin geschafft haben: Nutzen sie die Phase der relativen Ruhe an den Märkten für die Abarbeitung der Listen!

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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Wed Apr 18, 2012 9:04 am

Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 18. April 2012 !

■ Umschwingen: Plötzlich zeigen sich die Märkte von ihrer freundlichen Seite, auch heute früh
■ Umdatieren: IWF hebt die Wachstumsprognosen für 2012 etwas an
■ Umkurven: Leichte Versteilerung der Bundkurve infolge der Aktienmarktrallye

Fußballfans fragen sich: War DAS Real? Finanzprofis fragen sich: War das real? Die einen wundern sich über die Darbietung des spanischen Rekordmeisters, die anderen über die meisterhafte Nachfrage bei Spaniens Anbietung. In der Folge gewannen hüben die Deutschen ein Fußballspiel, und drüben die Deutschen 175 Punkte im Dax.

Es bleibt alles in allem rätselhaft, weshalb die Finanzmärkte gestern urplötzlich in einen "Risk-On"-Modus schalteten. Am Ende des Tages wiesen die Kurstafeln der kontinentalen Aktienbörsen fast durchweg ein Plus von Zweikommaetwas Prozent aus, teilweise konnten die größten Tagesgewinne seit fünf Monaten verbucht werden. Normalerweise würde man vermuten, irgendetwas Außergewöhnliches sei passiert. Allerdings war die Nachrichtenlage gestern genau so normal wie die Tatsache, dass es für Real in München nichts zu holen gibt.

Auf der positiven Seite konnten wir gestern folgendes verbuchen: Spanien platzierte erfolgreich kurz laufende Geldmarktpapiere (T-Bills) am Markt. Dabei handelte es sich jedoch nicht um die Auktion von Staatspapieren, auf welche der Fokus der Anleger diese Woche eigentlich gerichtet ist. Die Auktion länger laufender Staatsbonds findet erst morgen statt. T-Bills werden auch von Ländern wie Portugal oder Griechenland, die ihre Langfristfinanzierung bekanntermaßen über Stützungspakete der EWU beziehen, regelmäßig problemlos platziert. Man sollte hier also vorsichtig sein und nicht wegen einer erfolgreichen T-Bill-Auktion in Spanien den Frühling an den Aktienmärkten ausrufen.

Weiters konnte gestern der ZEW-Index positiv überraschen. Die Umfrage unter mehreren hundert "Finanzprofis" zeigte entgegen der Erwartungen (der gleichen Finanzprofis…), dass sich die Konjunkturaussichten für Deutschland abermals verbessert haben. Wäre eine solche Datenüberraschung jedes Mal Anlass für ein Kursfeuerwerk an den Aktienbörsen, müsste der DAX allerdings nicht bei Sechstausendirgendwas, sondern irgendwo im sechsstelligen Bereich notieren.

Weiters legte der Internationale Währungsfonds seine aufgefrischten Wachstumsprojektionen vor. Im Schnitt wird das Wachstum in den zahlreichen analysierten Ländern im laufenden Jahr um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte höher ausfallen als bislang antizipiert. Eine Ausnahme bildet Spanien, wo die Wachstumserwartung für dieses Jahr um zwei Zehntel reduziert, im Gegenzug für 2013 jedoch um vier Zehntel Prozentpunkte angehoben wurde.

So weit die positiven Meldungen. Weniger erfreulich waren die Konjunkturzahlen aus den USA und am Abend die Meldung, wonach Italien sein Ziel, einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu erzielen, möglicherweise um ein Jahr auf 2014 verschieben werde. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert aus einem Entwurf, der heute vom Kabinett Monti diskutiert werden wird. Demnach werde das BIP in Italien im laufenden Jahr um 1,2% (und nicht wie bislang angenommen um 0,4%) schrumpfen.

Insgesamt lässt sich bilanzieren: Da haben sich die Anleger gestern wohl selber gefeiert, ein fundamentaler Rückhalt für diesen plötzlichen Stimmungsumschwung lässt sich schwerlichst identifizieren. Sei's drum, die positive Stimmung hält sogar heute früh noch an. Das schlägt sich auch in etwas höheren Bundrenditen und einem wieder leicht festeren EUR-USD Wechselkurs (über 1,31) nieder. Was der Sieg der Bayern gegen Real wert ist, wird sich erst in einer Woche herausstellen. Vielleicht sollten wir gleichsam die Marktentwicklung am kommenden Mittwoch abwarten, bevor wir den gestrigen Dienstag voreilig als die Wende zum Guten "hochsterilisieren"…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Thu Apr 19, 2012 9:42 am

Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 19. April 2012 !

■ Gelegt: Nach dem Auf und Ab der vergangenen zwei Tage ist das Stimmungsbild heute früh ruhig
■ Gespannt: Die Anleger blicken mit Spannung auf die spanischen Bondauktionen
■ Gefordert: Neue Forderungen, der Rettungsschirm ESM solle Banken direkt stützen können

Weil ich mich gestern gewundert habe, weshalb die Marktstimmung vorgestern so gut war, wundere ich mich heute nicht, dass die Stimmung sich gestern wieder eingetrübt hat. Das Umfeld für eine generelle Stimmungsaufhellung ist derzeit einfach nicht gegeben. Wir sind in einer Phase, in der viele Entwicklungen und Maßnahmen kritisch hinterfragt werden, seien es die fiskalpolitischen Sparanstrengungen, die Auswirkungen der Langfristtender der Europäischen Zentralbank oder das Volumen und die Aufgaben der verschiedenen Rettungsschirme.

Am Beispiel der spanischen Banken lassen sich die Zusammenhänge darstellen: Die Europäische Währungsunion mit ihren niedrigen Zinsen hat in Spanien zu einer Immobilienblase geführt. Diese ist vor einigen Jahren geplatzt. In der Folge steigt die Arbeitslosigkeit ebenso an wie die Not leidenden Kredite auf den Büchern der Banken. Gestern wurde bekannt, dass die sog. "Bad Loan Ratio" der Banken im Februar auf 8,2% angestiegen ist. Im Jahr 2007 lag diese Quote bei unter einem Prozent.

Die Regierung verfolgt mit großem Engagement die Konsolidierung der Staatshaushalte. Der Wachstumsausblick wird dadurch vorübergehend getrübt. Das wiederum schlägt sich in steigenden Arbeitslosenquoten und zunehmenden Not leidenden Krediten nieder. Die Anleger beobachten diese Entwicklungen skeptisch, was zu fallenden Kursen spanischer Staatsanleihen führt.

Die Langfristtender der EZB haben unter anderem dazu geführt, dass spanische Finanzinstitute in großem Stil spanische Staatsanleihen erworben haben. Sollten die Kurse dieser Anleihen weiter zurückgehen, wäre dies eine zusätzliche Belastung für die spanischen Banken. Die Abhängigkeit der heimischen Finanzinstitute von der Entwicklung im spanischen Staatsanleihemarkt ist durch die Verwendung der Gelder aus den EZB Langfristtender höchstwahrscheinlich gestiegen.

Für die spanischen Banken wird ein Kapitalbedarf von etwas über 50 Mrd. Euro gesehen. Würde dieses Kapital vom spanischen Staat zur Verfügung gestellt werden, besteht die Gefahr, dass die Anleger die spanische Haushaltssituation kritischer betrachten. In einem negativen Szenario führen Kursverluste im spanischen Staatsanleihenmarkt zu Belastungen in den Büchern der Finanzinstitute, und umgekehrt. Natürlich ist auch ein positives Szenario denkbar, in welchem positive Entwicklungen in dem einen Bereich gleichfalls positiv auf den anderen Bereich durchschlagen.

Jetzt werden (nicht zum ersten Mal) Forderungen laut, die Kapitallücke im spanischen Bankensystem solle über die europäischen Rettungsschirme erfolgen, um den spanischen Haushalt nicht zu belasten. Die Regeln des Rettungsschirms ESM sehen diese Möglichkeit jedoch nicht vor. Eine Stützung von Finanzinstituten funktioniert hier nur mittelbar über konditionierte Kredite an den jeweiligen Staat.

In diesem Kontext ist die Auktion spanischer Staatsanleihen heute Vormittag zu sehen. Das Land wird 2jährige und 10jährige Anleihen im Volumen von 1,5 bis 2,5 Mrd. aufstocken. Ein positives Auktionsergebnis dürfte positive Rückwirkungen auf den Staatsanleihemarkt und damit auf den spanische Finanzsektor haben, ein enttäuschendes Auktionsergebnis könnte sich entsprechend negativ auf beide Bereiche auswirken. Eine Reihe von Faktoren spricht für ein positives Auktionsergebnis: Das Volumen ist relativ gering, die Renditen nach dem Anstieg der vergangenen Wochen relativ attraktiv und über Fälligkeiten werden in der kommenden Woche rund 12 Mrd. Euro zurückgezahlt.

Die Auktionsergebnisse werden gegen 10:30h veröffentlicht. Bis dahin dürfte sich an den Märkten nicht all zu viel bewegen. Nach dem Auf und Ab der letzten Tage ist die Lage heute früh zunächst mal ruhig. Ich würde mich jedoch morgen früh wundern, wenn sich dies im Tagesverlauf nicht noch ändern wird…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Fri Apr 20, 2012 9:27 am

Guten Morgen, heute ist Freitag, der 20. April 2012 !

■ Wühlen: Normal verlaufende spanische Bondauktion lässt ratlose Anleger zurück
■ Weilen: Ifo wird heute zwar leicht schwächer erwartet, aber es gibt ja den Busch-Indikator
■ Wählen: Präsidentschaftswahl in Frankreich ist der Auftakt für die europäischen Wahlwochen

"Stets findet Überraschung statt, da, wo man's nicht erwartet hat." So hat es Wilhelm Busch formuliert. "Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt." So formuliert es der Volksmund. Dienstag die Marktrallye, in bester Busch-Tradition. Mittwoch die Gegenbewegung, nach bester Analystenweisheit. Und gestern eine Berg- und Talfahrt, die definitiv anders verlaufen ist, als man sich das gedacht hätte.

Seit etlichen Tagen galt das Augenmerk der Anleger den spanischen Bondauktionen. Man war geistig vorbereitet auf einen sensationellen Erfolg, so wie zu Jahresbeginn, wo das spanische Schatzamt kurzerhand mal ein doppelt so großes Volumen zuteilte wie ursprünglich geplant. Man war auch irgendwie vorbereitet auf ein grandioses Scheitern der Auktion, sollte aus welchen Gründen auch immer das Nachfrageverhalten zu einem schwachen Auktionsergebnis führen. Und was passierte letztendlich? "Erstens kommt es anders…" Eine ganz normale Auktion: Nachfrage gut, Preissetzung der aktuell von Unsicherheit geprägten Lage entsprechend. Mund abwischen, weiter machen. Die Auktionsdetails gaben den Anlegern weder Anlass zum Kaufen, noch versteckte sich dahinter ein Grund zu verkaufen.

Was also taten die Anleger? Kaufen und verkaufen. Nicht nur im Markt für spanische Papiere, sondern generell fingen die Kurse an zu schwanken wie die Schilfrohre. Dieses Handelsmuster setzte sich über den gesamten Tag hinweg fort. Als in Europa die Bücher geschlossen wurden, waren die Kurse gerade im Keller. Hätte man noch eine Stunde oder so weitergehandelt, sähe das Bild högschdwahrscheinlich anders aus. Sei's drum, die Aktienmärkte schlossen ein weiteres Mal im roten Bereich (Dax -0,9%, Stoxx50 -1,9%), und der Bund Future beendete den Tag auf einem neuen Allzeithoch (140,62 nachdem zwischenzeitlich sogar die 140,78 auf der Tafel stand).

Man muss diese ganze Marktunsicherheit und die Tonnage von Herausforderungen in den Ländern der Europäischen Währungsunion im Hinterkopf haben, wenn man sich das Frühjahrsgutachten der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute vor Augen hält: 2% Wachstum im kommenden Jahr, weiter zurückgehende Arbeitslosenzahlen und ein Staatshaushalt, der stramm in Richtung "Null Defizit" marschiert. Die deutschen Unternehmen seien so wettbewerbsfähig wie noch nie. Da fehlt eigentlich nur noch ein weiterer Anstieg im Ifo Geschäftsklimaindex. Dieser zeigte sich zuletzt fünf Mal in Folge verbessert. Heute wird der aktuellste Umfragewert veröffentlicht. Allgemein erwarten die Volkswirte zwar einen leichten Rückgang. Aber das war beim ZEW Index zu Beginn der Woche nicht anders. Insofern sollten wir getrost darauf vorbereitet sein, heute erneut Besuch von Wilhelm Busch zu bekommen.

Blicken wir auf das Wochenende, so sehen wir den Startschuss für eine intensive Wahlsaison: In Frankreich findet die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt. Weiter geht es am 6. Mai, dem europäischen "Super Sunday" mit Wahlen in Griechenland, in Schleswig-Holstein und Frankreich (Präsidenten-Stichwahl). Am 13. Mai gehen die Menschen in Nordrhein-Westfalen an die Urne und am 31. Mai stimmen die Iren über den Fiscal Compact ab. Aus jeder einzelnen Abstimmung lassen sich mit etwas Phantasie weitreichende Konsequenzen für den Fortgang der europäischen Schuldenkrise ableiten. Den Börsen dürfte es bei dieser Aussicht und unter Berücksichtigung des derzeit wackeligen Stimmungsbildes vorerst wohl eher schwer fallen, Jubelarien anzustimmen. Bleibt die Hoffnung auf Wilhelm Busch, der vor diesem Hintergrund sicherlich auf eine veritable Kursrallye gesetzt hätte.
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Mon Apr 23, 2012 8:56 am

Guten Morgen, heute ist Montag, der 23. April 2012 !

■ Stichwahl: In Frankreich kommt es am 6. Mai zur Stichwahl zwischen Hollande und Sarkozy
■ Neuwahl: Krisensitzung des Kabinetts in den Niederlanden, Neuwahlen wahrscheinlich
■ Marktwahl: Anleger stimmen vorerst für politische Börsen, Konjunkturausblick im Hintergrund

"Politische Börsen haben kurze Beine", lautet eine Art Bauernregel für's Börsenparkett. Wenn das stimmt, dann laufen die Börsen in dieser Woche mit solchen Stummelbeinchen durch die Gegend, dagegen werde ich mich mit meinen Laufgliedern ausnehmen wie der König der Laufstege. Die Händler und Anleger sind gefordert, gleichzeitig das Wahlergebnis in Frankreich, mögliche Neuwahlen in den Niederlanden und eine Koalitionskrise in der Tschechischen Republik zu verarbeiten.

Das Wahlergebnis in Frankreich dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben: Herausforderer François Hollande erhält etwas mehr Stimmen als Amtsinhaber Nicolas Sarkozy, beide treffen am Sonntag in zwei Wochen in einer Stichwahl aufeinander. Umfragen sehen Hollande derzeit vorne. Im Vorfeld der Abstimmung war häufig zu lesen, dass ein Wahlsieg Hollandes an den Börsen kritisch gesehen werden würde. Zumindest der Handel in Fernost gibt darauf jedoch wenig Hinweise: Im Einklang mit dem generellen Trend signalisieren die Aktien-Futures eine etwas leichtere Eröffnung, der Euro tendiert ebenfalls etwas leichter. Aber diese Kursbewegungen unterscheiden sich nicht wesentlich von solchen, die wir an jedem x-beliebigen "unpolitischen" Montagmorgen beobachten würden.

Für die Marktentwicklung bedeutsamer als die Wahl in Frankreich könnten sogar die politischen Entwicklungen in den Niederlanden sein. Die Minderheitsregierung um Ministerpräsident Rutte konnte sich am Wochenende nicht auf ein Sparpaket einigen. Für heute wurde eine Krisensitzung des Kabinetts einberufen. "Neuwahlen sind der logische nächste Schritt", wird Rutte zitiert. In der vergangenen Woche drohte die Ratingagentur Fitch damit, Niederlande das AAA-Rating zu entziehen, sollte keine Einigung über einen Austeritätshaushalt zustande kommen. Die Anleihen des Landes standen zuletzt unter Druck, in 10jährigen Laufzeiten weitete sich der Renditeabstand zu Bunds auf 61 Basispunkte aus. Das liegt nur zwei Basispunkte unter dem Rekordabstand, welcher im vergangenen November erreicht wurde, als die europäische Schuldenkrise an den Märkten ihren Höhepunkt durchlebte. Es gehört wohl wenig Phantasie dazu sich auszumalen, dass infolge der jüngsten Entwicklungen der Renditespread ein neues Rekordniveau erreichen wird, was in den Medien auf skeptische Resonanz stoßen dürfte.

In der Tschechischen Republik wird ebenfalls über ein Sparpaket verhandelt. Meldungen, die mich heute früh erreichen, sprechen davon, dass die drei regierenden Koalitionsparteien ihre Zusammenarbeit mit dem 27. April aufkündigen werden. Neuwahlen sind jedoch (noch) nicht vorgesehen.

Andere Meldungen des Wochenende befassen sich mit den Konsolidierungserfordernissen im spanischen Bankensystem, mit den schuldenschnittbedingten Verlusten der griechischen Banken in Höhe von fast 28 Mrd. Euro sowie mit der Einigung auf eine Aufstockung der Kreditlinien des Internationale Währungsfonds um 430 Mrd. Dollar.

Zu wenig Beachtung findet Deutschland: Eine bemerkenswert stabile Regierung (Angela Merkel ist seit 2005 im Amt) und eine bemerkenswert robuste Wirtschaftsverfassung (der Ifo Index stieg den sechsten Monat in Folge). Immerhin, an den Märkten wird dies mit rekordniedrigen Anleiherenditen honoriert (Stichwort "Safe Haven"). Der Bund Future handelt heute früh bei 140,75, nur Millimeter unterhalb seines an Freitag aufgestellten Allzeithochs von 140,86 Punkten. Eine Reihe von Konjunkturdaten (u.a. europäische PMIs, französische und italienische Unternehmensstimmung, UK & US BIP für Q1) sowie die Sitzung der amerikanischen Notenbank (Pressekonferenz am Mittwoch) werden in den kommenden Tagen versuchen, den Börsen die Beine lang zu ziehen. Zu mehr dürfte es jedoch nicht reichen, für eine generelle Stimmungsumkehr stehen die Chancen wohl eher schlecht.
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Tue Apr 24, 2012 8:29 am

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 24. April 2012 !

■ Konjunktur-Umfrage: Die Einkaufsmanagerindizes enttäuschen zu Beginn des zweiten Quartals
■ Wahl-Umfrage: Frankreich und die Niederlande sorgen weiter für politische Börsen
■ Anleger-Umfrage: Holland versteigert heute Anleihen mit zwei und 25 Jahren Laufzeit

Also sollten wir es wirklich mit politisch getriebenen Stummelbeinchenbörsen zu tun haben, dann sind diese Beinchen aber ziemlich kräftig. Sah es gestern früh um diese Uhrzeit noch nach einem relativ harmlosen Montagsgeschäft aus, entwickelte sich das Geschehen an den internationalen Börsen im Tagesverlauf zu einem mittelgroßen Drama.

Auslöser für diese Entwicklung waren aber nicht nur Holland (Neuwahlen gelten als sicher) und Hollande (von den Märkten kritisch beäugter Kontrahent Sarkozys), sondern auch überraschend schwache Konjunkturdaten für die Eurozone: Die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) fielen im April deutlich schwächer aus, als dies erwartet worden war. Und nicht nur das: Teilweise bauen sich schwer nachvollziehbare Diskrepanzen mit anderen Umfrageergebnissen auf. In Deutschland beispielsweise haben wir uns doch gerade noch über einen zum sechsten Mal gestiegenen Ifo Index gefreut. Und jetzt? Im Verarbeitenden Gewerbe fiel der PMI auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2009. Immerhin, im Dienstleistungsbereich konnte ein kleiner Anstieg verzeichnet werden.

Mit Sicherheit lässt sich wohl nur sagen, dass die europäische Konjunktur nicht gerade in Formel-1-Tempo ins zweite Quartal gestartet ist. Für weitere Rückschlüsse erscheint es jedoch zu früh. Zunächst gehen wir weiterhin davon aus, dass sich das Wachstumsbild im laufenden und in den folgenden Quartalen allmählich aufhellt. Nach den gestrigen Zahlen werden die Anleger jedoch relativ deutliche Signale abwarten, bevor sie auf diese Linie einschwenken werden.

Zunächst mal interessieren politische Fragen:
Frankreich: Francois Hollande, Frankreichs aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat, hatte im Wahlkampf angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs den Fiscal Compact neu zu verhandeln . Wird er seine Drohung wahr machen? Der Renditeaufschlag französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen weitete sich gestern um fast 10 Basispunkte aus.
Niederlande: Wann wird gewählt, und wird eine neue Regierung sich schnell genug auf ein Sparpaket einigen können, um eine Herabstufung (Fitch hatte damit gedroht) zu verhindern? Der Renditeaufschlag holländischer gegenüber deutschen Staatsanleihen weitete sich gestern um fast 20 Basispunkte aus.
Deutschland: Wie viel Rückenwind für Angela Merkels Europapolitik wird sich aus den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (6. Mai) und Nordrhein-Westfalen (13. Mai) ableiten lassen? Der Bund Future stieg gestern auf ein neues Allzeithoch von 141,33 Punkten.
Griechenland: Wird nach den Parlamentswahlen (6. Mai) die neue Regierung den mit der EU vereinbarten Reformprozess fortsetzen?
Irland: Werden die Bürger bei dem anstehenden Referendum den Fiscal Compact (31. Mai) annehmen oder ablehnen?

Und dann kommen wir zu den PMIs: Werden diese im Mai wieder ansteigen? Aus all dem Genannten lassen sich vorzüglich ein Best Case und ein Worst Case Szenario zeichnen. Klingt vielleicht nach Zweckoptimismus, aber wenn man sich jede einzelne dieser Fragen zu Gemüte führt, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass ein Best Case Szenario ziemlich wahrscheinlich ist.

Aber in diesen schnelllebigen Börsenzeiten haben wir ja kaum die Gelegenheit, von einem Monat zum nächsten zu schauen. Wir sind ja schon froh, wenn wir das von einem Tag bis zum nächsten schaffen. Und da steht ausgerechnet heut die Auktion 2- und 25jähriger Staatsanleihen in den Niederlanden an. Betrachten wir es durch die Marketing-Brille: Bislang waren Bondauktionen in den Niederlanden etwas für absolute Spezialisten – heute wird sich die ganze Welt dafür interssieren…
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Re: Market Snapshot: Overnight Impressionen

Postby taucher » Wed Apr 25, 2012 9:46 am

Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 25. April 2012 !

■ Gewinnende Umsätze: In den USA begeistert Apple die Anleger mit seinen Quartalszahlen
■ Umsetzende Gewinne: In Europa überrascht Siemens mit einer Reduzierung seines Gewinnziels
■ Durchdringende Sätze: US Notenbank legt Prognosebild und Zinseinschätzung vor

In den vergangenen Tagen waren wir es gewohnt, in nahezu täglichem Rhythmus zwischen "Risk On" und "Risk Off" hin- und herzuschalten. Einen Tag ist die Stimmung an den Finanzmärkten schlecht, am folgenden Tag gibt's die Korrektur, danach die Korrektur der Korrektur und schließlich die Korrektur der Korrektur der Korrektur. Und dann geht es von vorne los. Heute dürfen wir die "Risk On/Off" Palette um eine weitere Dimension erweitern: "Risk Apple".

Der iKonzern legte gestern seine mit Spannung erwarteten Quartalszahlen vor. Und die Anleger bekamen von Apple eine positive Überraschung geliefert: Umsatz (gegenüber dem Vorjahresquartal) um 60 Prozent gesteigert, Gewinn auf 11,6 Milliarden Dollar fast verdoppelt. Die Bargeld und bargeldnahen Bestände erhöhten sich um mehr als zehn Prozent auf 110 Milliarden Dollar. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand das Unternehmen bittet, sich an der Finanzierung europäischer oder internationaler Rettungsschirme zu beteiligen. Nachbörslich zog die zuletzt unter Druck stehende Apple-Aktie um sieben Prozent an. "Risk Apple" bedeutet nun, dass die Teilnehmer an den Finanzmärkten im Prinzip hocherfreut sind, es jedoch fraglich ist, ob die Zahlen dieses einen Unternehmens ausreichen, um die gesamte Marktstimmung im Positiven zu halten.

Denn es gibt auch Gegenwind: Siemens, zum Beispiel, sendet heute früh die Meldung aus, wonach das Gewinnziel für das laufende Jahr um 600-800 Millionen auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro reduziert werde. Makroseitig bekamen wir gestern neue Einschätzungen zur Wirtschaftsentwicklung in Spanien und Griechenland. Die Zentralbank Spaniens vermeldete einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,4% nach 0,3% im Vorquartal. Griechenlands Notenbank wiederum erwartet für die heimische Wirtschaft nunmehr einen Rückgang um 5% im laufenden Jahr. Es ist gerade einmal drei Wochen her, da lautete die Prognose noch minus 4½%. Die mit den internationalen Kreditgebern vereinbarten Haushaltsziele würden damit noch schwieriger zu erreichen sein. Der griechische Notenbankpräsident George Provopoulos verwies darauf, dass die Parlamentswahl am 6. Mai nicht zu einer Pause in den Reformbemühungen führen dürfe. Seiner Einschätzung nach stehe bei dem Urnengang nicht weniger als die Zukunft des Landes innerhalb der Eurozone auf dem Spiel.

Am Montag dieser Woche verarbeiteten die Anleger und Händler die Nachrichtenlage vom Wochenende, indem die Renditeaufschläge französischer, holländischer, spanischer und italienischer Anleihen deutlich weiter gepreist wurden ("Risk Off"). Gestern erfolgte eine Gegenbewegung, welche die Spreadausweitung vom Montag fast vollständig korrigierte. Ähnliche Bewegungen sahen wir im Bundmarkt: Der Bund Future gab gestern sämtliche am Vortag eingefahrenen Gewinne wieder ab ("Risk On"). Vor dem Hintergrund der jüngsten Nachrichtenlage gleicht der Ausblick für den heutigen Tag einem Münzwurf ("Risk Apple"). Falls sich jemand für meine Gefühle interessiert: diese signalisieren für heute eine eher negative Stimmungslage in den europäischen Märkten.

Ein aufmerksames Augenmerk gilt heute der Notenbanksitzung in den USA. Die Fed wird zwar keine neuen Quant Easing-Programme oder dergleichen verkünden. Allerdings gibt es heute wieder das komplette Paket aus individuellen Prognosen der FOMC-Mitglieder inklusive ihrer Einschätzungen, in welchem der kommenden Jahre der Zielsatz der Fed das erste Mal angehoben werden sollte. Aus unserem Hause liegt uns eine spannende Studie vor, nach der die FOMC-Mitglieder im Nachgang der Krise im Zweifel eher noch zögerlicher sind, an der Zinsschraube zu drehen. Sollten die Anleger infolge der Fed-Informationen ihre Zinsanhebungserwartungen anpassen, so wäre dies wahrscheinlich ein isolierter Prozess im Zinsmarkt ohne nennenswerte Auswirkungen auf die generelle Marktstimmung. Die Märkte wären morgen früh dann in "Risk Fed"-Stimmung…
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